Die Orgel in der Ev. Kirche Gönningen





Frühromantische Orgel in der evangelischen Kirche


 

GEA-Bericht ...
Wiedereinweihung unserer historischen Orgel beim Gemeindefest Sonntag, 13. Juli - 10.00 Uhr - ev. Kirche Gönningen
Mit über 400 Gottesdienstteilnehmern konnte am vergangenen Sonntag die Orgel in der Gönninger evangelischen Peter-und-Paul-Kirche wieder in Dienst genommen werden. In den letzten Wochen wurde sie durch die Lauffener Orgelbaufirma Rensch gereinigt und renoviert worden. Nun erstrahlte sie nicht nur äußerlich, sondern auch klanglich in neuem Glanz.
Dem Festgottesdienst schloß sich das traditionelle sommerliche Gemeindefest der Gönninger Evangelischen an. Hier merkte man, daß etliche Gemeindeglieder durch ein weiteres großes Fest noch andere Verpflichtungen hatte; insgesamt waren aber die vielen Mitarbeitenden aber sehr zufrieden über die Besucherzahl und die Athmosphäre im und ums Gönninger Gemeindehaus.
Große Beteiligung fanden auch die Orgelfühungen, die während des Tages angeboten wurden. Beate Heissel, die als Kirchenpflegerin und eine der Gönninger Organistinnen, die Maßnahme begleitet und koordiniert hat, stellte das Instrument den jüngeren Fesbesuchern vor; Prof. Helmut Maier, Reutlingen, informierte als Kenner der Gönninger Orgel über deren Besonderheiten und hohen musikalischen und kulturgeschichtlichen Wert.
Etwa die Hälfte des Kostenaufwandes von 40.000 Euro konnte über Aktionen, Einzelpsenden und Benefizveranstaltungen örtlicher Vereine und Künstler finanziert werden. Jetzt hofft die Gemeinde, um die restliche Summe auszugleichen, auf einen guten Verkauf ihrer Orgel-CD, die auf dem Gönninger Pfarramt in der Torstraße und bei der Reutlingen Philadelphia-Buchhandlung Fuhr zu bekommen ist.

 
Gönninger KirchenTonART: Orgel-Musik von J. S. Bach, M. Reger, F. Mendelssohn, J. Knecht, J. v. Rheinberger, J. Brahms. Edition 1. eingespielt von Martin Hagner, Stefan Lust und Katrin Seeger auf der Engelfried/Rensch-Orgel in Reutlingen-Gönningen; 2003 (Aufnahme: Herbst 2002); Produktion: Joachim Stall Tonstudio; Vertrieb: Ev. Pfarramt Gönningen; ISBN 3-9352329-94-6; EUR 12.- (beim Kauf von 5 Stück erhalten Sie bei Bestellung über das Gönninger Pfarramt, Tel. (07072) 2365, Fax 60877, EMail-Bestellung) ein Exemplar gratis; bei Zusendung kommen Versandkosten hinzu.
 

Predigt über Kol 3,16 (Behrend/Klingler)
zur Wiedereinweihung am 20. Juli 2003

Einleitung - Singen Sie noch? (Behrend)
Liebe Gemeinde,
machen Sie es noch so wie unsere Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores:
singen Sie noch?
Unsere Konfis haben zum Teil gewisse Vorbehalte - ums mal vorsichtig auszudrücken:
"Bloß nicht singen!" hat einer von euch als Wunsch an den Konfis geschrieben -
hier drüben steht's schwarz auf weiß.
Viele denken ja über ich, sie könnten nicht singen oder die Stimme sei nicht schön genug dazu;
dabei trauen wir es uns ja abundzu dann doch noch:
bei einem Fußball-Match zugunsten der eigenen Mannschaft,
bei einem Geburtstagsfest wenigstens Happy-Birthday -
und dann und wann vielleicht auch in der Kirche unter tatkräftiger Unterstützung der Orgel.
Wer sich das Singen verbietet, der schneidet ein Stück Leben in sich ab.
Den eigenen Atem spüren,
sich in die Melodie eines anderen Menschen hineinatmen,
mit anderen zusammen etwas anstimmen -
das ist durch nichts zu ersetzen!
Haben Sie es sich schon getraut in diesem Gottesdienst nicht nur Musik zu hören, sondern auch selbst zu musizieren?
Vielleicht kann man auf Orgel-Musik auch ein wenig mitsummen -
und sei's nur innerlich, ganz leise.
Orgel (Heissel)
zum Bibelwort Kol 3,16 (Klingler)
Im Kolosserbrief heißt es:
Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen:
lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit;
mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
Singt! Liebe Gemeinde in Kolossä, singt! Singt, ihr Gönninger!
Singt Lieder, die von Gott erzählen,
die festhalten, was er Gutes getan hat.
Singt Lieder, die das ganze Leben in Worte fassen,
die traurigen und schweren Situationen
genauso wie den Jubel und die Freude.
Singt Lieder, die im Leben und im Sterben Halt und Trost geben.
Schon immer haben Christen gesungen.
Jede Zeit hat sich ihre Worte und Melodien neu gesucht.
Und in allen Zeiten fanden sich Menschen, die nach dem Geschmack und der Form ihrer Zeit die alte Botschaft den Menschen neu ins Ohr gespielt und gesungen haben.
Martin Luther und Paul Gerhardt,
Johann Sebastian Bach und Jochen Klepper
Jaques Berthier und Manfred Siebald,
Normal Generation und Albert Frey.
Und doch ist durch die Jahrhunderte hindurch ein Grundton zu hören: Dankbarkeit.
Wer sein Leben anschaut und glaubt, dass es von Gott so gewollt ist,
der kommt unweigerlich ins Staunen.
Ich lebe, lebe mit allem, was dazu gehört.
Ich atme, gehe, höre, spreche, weine, lache, esse.
Und ich bin nicht allein.
In all dem wird ein Gott sichtbar, der mir liebevoll begegnet.
Aus dem Staunen erwächst die Dankbarkeit und aus der Dankbarkeit das Loben.
Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.
Orgel (Heissel)
die Orgel hilft: sie "singt" für uns (Behrend)
Liebe Gemeinde,
unsere Kirchenchor-Leiterin Frau Eberhart kann das und ein paar andere begabte und geschulte Zeitgenossen trauen es sich auch:
solo zu singen,
allein und womöglich nicht nur für sich daheim unter der Dusche, sondern so, daß es andere auch hören können.
Dabei ist das beim Singen eigentlich die Ausnahme:
Das Singen lebt davon, daß wir es gemeinsam tun.
Daß wir uns auf eine Melodie einigen,
daß wir uns auf Tempo, Takt und Tonhöhe einigen,
daß wir gemeinsam anfangen.
In unseren Gottesdiensten ist das der Orgel erstes und letztes und bestes Geschäft -
und das beste, was der Organistin oder dem Organisten passieren kann,
daß er die Leute zusammen bringt und zusammen zum Singen bringt -
womöglich noch zum kräftigen Singen ermutigt!
Und dann kann ich auf einmal eine sehr ursprüngliche Erfahrung machen:
daß die Musik, daß der Gesang mich trägt -
daß ich mich sogar getragen fühlen kann, obwohl ich selbst gerade gar nicht den Mund aufmache -
weil mir so gar nicht zum Singen zumute ist,
es mir die Töne verschlägt.
Ich spüre, daß ich mit anderen zusammenklinge,
daß ich mit der Orgel harmoniere,
und daß das sogar noch geht, wenn ich gerade nicht kann.
Das kann eine Erfahrung sein mit Gott -
besonders an heiligem Ort, mit besonderen Klängen wie hier.
Das kann eine Erfahrung sein, die mich dann auch draußen trägt,
an anderen Orten, wo andere Töne laut werden:
Zu spüren, ich bin getragen von Gott,
ich bin getragen von unserem gemeinsamen Glauben an Gott,
ich bin getragen von der Melodie des Lebens.
Orgel (Heissel)
die Orgel ist vielstimmig (Klingler)
Hätte unsere Orgel nur eine Pfeife, liebe Gemeinde,
dann wir würden uns wohl an die ersten Blockflötenversuche eines Kindes erinnert fühlen. Das wäre kein Ohrenschmaus.
Eine Pfeife für sich, besonders eine kleine hohe, ist langweilig und manchmal auch fast nicht zu ertragen.
Ein einziger Ton ist ihr zu entlocken. Vielleicht kriegt sie noch einen Rhythmus hin. Aber das war es dann.
Musik ist da nicht drin, nur ein einsamer Ton.
Erst im Zusammenklang mit den anderen Pfeifen eröffnen sich neue Klangfelder:
Da kann die Pfeife mit zwei, drei, vier, fünf, sechs anderen eine volle Harmonie voller Traurigkeit anstimmen.
Da kann sie ihren Teil beitragen zum fröhlichen Zwitschern eines Trillers oder der perlenden Eleganz eines schnellen Laufes.
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.
Das gilt nicht nur für das Miteinander von Mann und Frau in der Ehe, das gilt für alle Menschen, für Alte und Junge, Männer und Frauen. Und das gilt auch für die Gemeinde.
Wir brauchen einander um das Leben zu meistern.
Keiner kann alles. Die ganze Fülle des Lebens gibt es nur gemeinsam.
Das Gemeindefest heute wird nicht dadurch ein Fest, dass der eine Kochen und, dass die andere Bierzapfen kann, dass die einen beim Gospelchor oder Kinderchor mitsingen und die anderen Tische aufstellen.
Würde das jeder für sich machen, dann ständen die Tische jetzt bei Birkenhofers im Garten und .
Nur weil alle sich zusammenspannen lassen, nur weil viele miteinander an einem Strang ziehen, wird daraus ein Fest.
Und das gilt auch sonst: Gemeinde wird nur da zum klingenden Instrument, wo einzelne sich einbringen, gemeinsam mit anderen eine Melodie anstimmen, zu der jeder etwas beiträgt.
Gelingt das, wird für alle Welt hörbar, was für ein kraftvoller Wind bei uns weht.
Orgel (Heissel)
die Orgel ist "altmodisch" (Behrend)
Liebe Konfis,
liebe Gemeinde!
"Mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern
singt Gott
dankbar in euren Herzen."
Mein Gott, klingt das altmodisch!
Und das nicht nur, weil wir solche Worte wie "Psalm" oder "Lobgesang" im Alltag nie und nimmer in den Mund nehmen würden.
Nein, das klingt deshalb altmodisch, weil uns tatsächlich ganz andere Lieder auf den Lippen liegen:
Es sind die Lieder, die uns mit ihren Texten oder Beats zudröhnen, und um den Verstand bringen,
es sind die Lieder, die uns mit Liebe, love, amour und hohlen Phrasen ramdösig machen.
Nichts dagegen, bei was für Musik auch immer zu entspannen,
zu träumen,
sich gehen zu lassen.
Aber manchmal bekommen wir die dunkle Ahnung, daß das zum Lebensstil wird,
sich zusülzen zu lassen.
Die Orgel dagegen ist altmodisch, von vorgestern - im wörtlichsten Sinne.
Und deshalb ist sie uns fremd -
auch für die Fans der Orgelmusik gilt das:
Orgelmusik ist uns fremd, weil sie hier, jenseits des Alltags-Raumes erklingt,
und weil sie uns immer mit der Vergangenheit verbindet:
159 Jahre ist unser Instrument alt,
sie begleitet uns beim Singen von Melodien, die manchmal schon vor einem ganzen Jahrtausend angestimmt worden sind.
Liebe Gemeinde,
so steht die Orgel dafür ein, daß wir uns als Christenmenschen gebunden wissen an die Vergangenheit, an die, die vor uns da waren und glaubten.
Auch so sind wir getragen:
nämlich vom Glauben derer, die hier an dieser Stelle seit über einem Jahrtausend glaubten und beteten und sangen.
"Singt Gott
dankbar in euren Herzen."
Ihr müßt das nicht allein tun:
Ihr dürft in diesen Raum, Ihr dürft in die Orgelklänge hinein hören und Stimmen aus der Zeit vor euch heraushören.
Es kommt also nicht nur auf euren Gesang an -
die Töne aus vergangenen Zeiten hallen weiter -
aber es kommt freilich auch darauf an, daß Ihr das Singen nicht verlernt oder daß Ihr es neu wagt, die Stimme zu erheben!
"Singt Gott" -
schöne Stimme, voller Klang, Notentreffsicherheit -
nein, all das steht hier nicht, und ist nicht die Voraussetzung für guten Gesang:
"dankbar in euren Herzen", heißt es.
So wird Gesang schön,
wenn es aus ihm herausklingt, daß da eine, daß da einer nicht in höchsten Tönen sich selber singt
- diese Lieder haben wir schon zu viele gehört -,
sondern daß er, daß sie sich einem anderen verdankt: Gott.
Ohne diesen Gesang gäbe es nur noch Krach in der Welt und sie verlöre ihren Klang.
Orgel
Abschluß (Klingler)
Liebe Gemeinde,
Wenn wir Gott singen,
wenn wir Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder singen,
dann werden wir schon auf dieser Erde ein bisschen zu Engeln.
Denn Singen verleiht Flügel!
Die himmlischen Heerscharen singen zu Gottes Ehre.
Und egal wie kläglich und verzagt,
wie schief und scheps und falsch wir hier singen
- wir stimmen damit immer in den ewigen Lobgesang der Engel mit ein. Unser Lobgesang hat immer himmlische Begleitung.
Singen verleiht Flügel! Darum singt zu eurer Freude aber vor allem zu Gottes Ehre!
Amen.

Wir freuen uns weiterhin über Ihre Hilfe,
und bitten Sie um ...

Spenden für das Gönninger Kleinod "Engelfried-Rensch-Orgel"!
Konto 91569 bei der Kreissparkasse Reutlingen (BLZ 640 500 00) -
für die Spendenbescheinigung bitte Adresse nicht vergessen und das Stichwort "Orgel"!

Spenden-Summe

Von den Gesamtkosten von etwa EUR 40.000.- haben Sie seit April 2001 durch Spenden, Aktionen und eigene Mittel aufgebracht:
EUR 20.000.- (Stand April 2003)

Beginn der Renovation durch Fa. Rensch:
war am 19. Mai 2003, Wiedereinweihung am 13. Juli 1003.

Spender

  • Gemeindefest am 15. Juli, anteiliger Erlös zugunsten der Orgel: 2765,42
  • Opfer aus 5 Gottesdiensten: DM 1890.-
  • Musikverein "Roßberg" Gönningen: DM 700.- (Benefizkonzert am 8.4.2001)
  • Sameneinkaufsgenossenschaft: DM 500.-
  • ein weiterer Gönninger Verein: DM 500.-
  • Osterbasar unserer Kirchengemeinde: DM 5000.-
  • Besucherinnen und Besucher des Kaffeestündles am 17. Mai mit den Martin-Singers, die auf ihr Honorar verzichteten: DM 400.-
  • "musica viva" (Stuttgart) und KMD Eberhard Becker (Reutlingen) - Benefizkonzert am 20. Mai: DM 900.-
  • Einzelspende 22.6.01 DM 500.-
  • Einzelspende 30.6.01 DM 500.- Es ist uns eine große Freude, daß wir zur Renovierung der Orgel in unserer Gönninger Kirche beitragen können. Schon viele Jahre sind ihre Töne erklungen zusammen mit dem Gesang der Gemeinde, zum Lob und Preis Gottes. Möge das auch so in Zukunft sein: 'Preiset den Herrn und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen! (Psalm 34)."
  • Einzelspende 18.7.01 DM 250.-
  • Einzelspende 19.7.01 DM 500.-
  • Einzelspende 17.7.01 DM 200.-
  • Einzelspende 4.10.01 DM 1000.-
  • Kammerchor Reutlingen 11.11.2001 Konzerterlös DM 500.-
  • Einzelspende anonym 3.12.2001 DM 1000.-
  • Einzelspende 21.12.2001 DM 500.-
  • Benefizkonzerte von Revital Herzog, Thomas Felder und dem Gönninger Gospelchor sowie vom Handharmonicaclub, dem Posaunenchor, dem Musikverein und dem Gesangverein Frühjahr 2002 EUR 1400.-
  • Gemeindefest Juli 2002 EUR 1400.-
  • ... und weitere Einzelspenden.

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