Die Orgel in der Ev. Kirche Gönningen





Frühromantische Orgel in der evangelischen Kirche

Gönninger KirchenTonART: Orgel-Musik von J. S. Bach, M. Reger, F. Mendelssohn, J. Knecht, J. v. Rheinberger, J. Brahms. Edition 1. eingespielt von Martin Hagner, Stefan Lust und Katrin Seeger auf der Engelfried/Rensch-Orgel in Reutlingen-Gönningen; 2003 (Aufnahme: Herbst 2002); Produktion: Joachim Stall Tonstudio; Vertrieb: Ev. Pfarramt Gönningen; ISBN 3-9352329-94-6; EUR 12.- (beim Kauf von 5 Stück erhalten Sie bei Bestellung über das Gönninger Pfarramt, Tel. (07072) 2365, Fax 60877, EMail-Bestellung) ein Exemplar gratis; bei Zusendung kommen Versandkosten hinzu.
 

Aus: Helmut Völkl »Orgeln in Württemberg«. Rechte: Carus-Verlag, Stuttgart (CV 24.014)

Mit freundlicher Genehmigung.
Mit herzlichem Dank Herrn Prof. Helmut Maier für die Korrekturen, besonders auch inhaltlichr Art!

Zu den Besonderheiten Gönningens gehört auch die bemerkenswerte frühromantische Orgel in der evangelischen Kirche Petrus und Paulus. Sie wird in dem 1986 erschienenen Buch Helmut Völkl, Orgeln in Württemberg, folgendermaßen beschrieben:
Über die ältere Orgelgeschichte wird lediglich aus dem Jahre 1762 über den Kauf einer (vermutlich gebrauchten) Orgel berichtet. In die durch den Neubau wesentlich vergrößerte Kirche wird, nach einer Inschrift in der Verglasung eines der Chorfenster, 1844 von dem in Mühringen bei Horb arbeitenden Orgelmacher Franz Xaver Engelfried eine neue Orgel gebaut.
Sie erhält die für eine Dorfkirchengemeinde recht stattliche Anzahl von 24 Registern, darunter drei Zungenstimmen. Die Orgel erfuhr (wahrscheinlich noch im 19. Jahrhundert) einige schwerwiegende Eingriffe. Zwar blieb die technische Grundkonzeption (Schleifladen mit mechanischer Traktur) ebenso wie die Disposition (wenigstens den Registernamen nach) erhalten.
Wie jedoch die Untersuchung der Orgel am 5.9.1968 durch Orgelbaumeister Richard Rensch (Lauffen am Neckar) ergab, stand das rechts und links neben dem Hauptgehäuse in C- und Cis-Seite aufgestellte und mit einer recht ansprechend gestalteten Holzverkleidung versehene Pedalwerk ursprünglich direkt hinter dem II. Manualwerk.
Weniger schön war ein weiterer Kastenanbau auf der rechten Seite, der zwei neue Magazinbälge und später ein elektrisches Gebläse enthielt.
Die ganze Orgel war zurückgeschoben und zwischen Prospekt und Hauptwerkslade ein 40 cm breiter Stimmgang gelassen worden.
Die Klaviaturabgänge waren vertauscht worden, so daß das Hinterwerk nun vom oberen, das Hauptwerk vom unteren Manual aus angespielt wurde.
Dadurch wurden die Tastenübersetzungen ungünstig verändert, und die Registerzüge des Hauptwerkes liegen nun neben der Hinterwerksklaviatur und umgekehrt.
Klanglich einschneidend wirkten sich die Veränderungen am Pfeifenwerk aus.
Die drei Zungenregister waren entfernt, alle Labialpfeifen mit Expressionen und Stimmschlitzen versehen und die Mensuren durch Vor- und Zwischensetzen neuer Pfeifen verändert, die Mixturchöre stark reduziert und umgestellt worden.
Das Gemshorn 4, des Hinterwerks war in die 8'-Lage verschoben worden, wobei die tiefe Oktave aus dem Salizional 8' entlehnt wurde.
Insgesamt waren die seit der Erbauung dieser Orgel eingetretenen Veränderungen also wesentlich zahlreicher und schwerwiegender, als es der erste Augenschein vermuten ließ.
Die 1970 durch die Orgelbauwerkstatt Rensch ausgeführten Arbeiten hatten in erster Linie eine Wiederherstellung des frühromantischen Klangbildes der interessanten Orgel zum Ziel, ein Ziel, das zu dieser Zeit durchaus nicht von allen als selbstverständlich empfunden wurde.
Die veränderte Anlage mit dem herausgezogenen Pedalwerk wurde belassen.
Jedoch wurde die sehr problematische neue Windführung mit dem häßlichen seitlichen Anbau durch den Einbau eines einzigen großen Magazinbalges direkt unter der Hauptwerkslade mit daneben im Inneren des Gehäuses stehenden Ventilator der originalen Situation mit kurzen und nur mit wenigen Kröpfungen versehenen Windkanälen wieder näher gebracht. ...
Alle Laden besitzen bis in den Diskant hinein für jeden Ton Doppelkanzellen, was sich auf die Spielart neben den veränderten Manualabgängen ungünstig auswirkte.
Durch reversible technische Maßnahmen (Verbindung der getrennten Doppelkanzellen durch eine Windbrücke und damit Entlastung des zweiten der Doppelventile vom Winddruck durch entsprechende Einregulierung wurde hier eine Verbesserung erzielt.
Außerdem wurde der Winddruck von 78 auf 65 mm WS herabgesetzt.
Für die Rekonstruktion der fehlenden Pfeifen gab es genügend verläßliche Anhaltspunkte.
Die Anschriebe an den originalen Pfeifen erlaubten die Wiederherstellungder originalen Mensuren und gaben sogar sicheren Aufschluß über die Zusammenstellungen der nur noch fragmentarisch vorhandenen Mixturen.
Von der originalen Trompete fand sich auf dem Boden zwischen den Abstrakten die Kehle des Tones c', die noch vorhandenen Raster der Becher boten Anhaltspunkte für die Bechermensuren.
Ähnlich war die Lage bei der Pedalposaune.
Die nach dem 1. Weltkrieg eingebauten Zinkpfeifen des Prospektes wurden durch Zinnpfeifen ersetzt.
Sorge bereitet nach wie vor der starke Holzwurmbefall, der auch in den hölzernen Emporen der Kirche, den Holzsäulen und dem Gestühl zu finden ist.
Die Gönninger Orgel ist sowohl mit ihrem Gehäuse und Prospekt als auch in ihrem Klangaufbau eines der wenigen noch erhaltenen Orgeldenkmale dieser Gegend »aus der guten Zeit des 19. Jahrhunderts« (Supper).
GR/ EG

Register nach den Angaben auf der Orgel selbst und durch Prof. Maier

Hinterwerk
Großgedeckt 8'
Viola 8'
Salicional 8'
Gemshorn 4'
Flüt d'amour 4'
Flageolet 2'
Mixtur III f.
Clarinette 8'
 
Hauptwerk
Bourdon 16'
Principal 8'
Flauto 8'
Gamba 8'
Quintflöte 5 1/3'
Oktav 4'
Flauto traverso 4'
Quinte 2 2/3'
Oktav 2'
Mixtur IV f.
Trompete 8'
 
Pedal
Principalbaß 16'
Violonbaß 16'
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Posaune 16'


Einige CDs wurden bereits in unserer Kirche produziert: Hier ein Überblick!



Und hier gibt es mehr Bilder und Infos zu unserer Orgel - aus einem Digitalisierungsprojekt, das Sie interessieren wird!!!