Die Evangelische Kirchengemeinde Gönningen


Symbol: Gönninger Kirche



EIN BEITRAG ZUM HEIMATLESEBUCH 1992

DER KIRCHENGEMEINDERAT

DIE EVANGELISCHE KIRCHE PETER UND PAUL

DAS SAMENHÄNDLERDENKMAL

DIE KIRCHENGLOCKEN

DAS PFARRHAUS

DAS GEMEINDEHAUS

DIE KINDERKIRCHE

DER GEMEINDEDIENST

DER ALTENNACHMITTAG

DER KIRCHENCHOR

DER POSAUNENCHOR

DIE ALTPIETISTISCHE GEMEINSCHAFT

DIE CHRISTLICHE PFADFINDERSCHAFT

DEN ZUSTAND DER HERZEN KENNT DER HERR ALLEIN

EIN BEITRAG ZUM HEIMATLESEBUCH 1992

Auf der Tafel in der Sakristei steht als erster evang. Pfarrer Johann Neuhauser, der am 28. September 1534 die Reformation angenommen hat.Seither gibt es in Gönningen evangelische Gottesdienste und eine evangelische Gemeinde.

Eine Ausnahme bildete nur die Zeit zwischen 1636 und 1648. Als die alte Grafschaft Pfullingen/Achalm durch Österreich wieder erneuert und Gönningen dazugerechnet wurde, wurde vorübergehend der katholische Gottesdienst zwangsweise eingeführt.

Seit dem westfälischen Frieden 1648 aber bis ungefähr zum ersten Weltkrieg war Gönningen eine rein protestantische Gemeinde.Seit der Reformation sind es bis heute 35 Pfarrer, etliche Vikarinnen und Vikare und Pfarrverweser, die ihren Dienst in ihr versehen haben.

Nach einer Zählung am 25. September 1990 hat die evang. Kirchengemeinde 2270 Gemeindeglieder.

Im gleichen Jahr wurden 25 Kinder oder Jugendliche getauft, 20 Jugendliche konfirmiert, 14 Paare getraut und 31 Gemeindeglieder beerdigt.

DER KIRCHENGEMEINDERAT

"Kirchengemeinderat und Pfarrer leiten die Gemeinde. Getreu ihrem Amtsversprechen sind sie dafür verantwortlich, daß das Wort Gottes verkündigt und der Dienst der Liebe an jedermann getan wird." Den Kirchengemeinderat gibt es in Württemberg seit 1887, in Gönningen seit 5. Januar 1890.

Der Kirchengemeinderat löste den seit 1664 auch in unserer Gemeinde bestehenden Kirchenkonvent und den seit 1851 eingerichteten Pfarrgemeinderat ab, der den Pfarrer bei seiner Arbeit lediglich unterstützen sollte.

Seit 1977 sind Pfarrer und Kirchengemeinderat gleichberechtigt und in der Leitung der Gemeinde äquivalent.

Was Gemeindeleitung konkret heißt, zeigt ein Blick in das Sitzungsprotokoll, das innerhalb der letzten sechsjährigen Amtsperiode auf stolze 129 Seiten angewachsen ist.

In 55 Sitzungen haben sich die 12 Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte mit 308 Tagesordnungspunkten befaßt.

Dabei geht die Liste der Besprechungspunkte von A wie Abendmahl und Anstellungen bis Z wie Zuwendungen an einzelne kirchliche Gruppen.

Leitung der Gemeinde bedeutet darüber hinaus, dankbar wahrzunehmen, was ist, zu fördern, was wachsen soll und liebevoll zurechtzurücken, was in die Irre geht.

Leitung der Gemeinde verlangt die Mühe, sich in Fragen des Glaubens, der Kirche, der Liturgie einzuarbeiten und darin zu entscheiden, wie sich Kirche vor Ort konkret einbringt und entfaltet.

Der Kirchengemeinderat verwaltet in enger Zusammenarbeit mit dem Kirchenpfleger den ortskirchlichen Haushalt, er wählt den Pfarrer oder die Pfarrerin und achtet darauf, daß die Ortsgemeinde den Anschluß an die weltweite Kirche in der Ökumene behält.

So unterhält unsere Kirchengemeinde seit Jahrzehnten partnerschaftliche Beziehungen zum "Petri-Sprengel" in Jena, die vor Jahren wichtig waren und in jüngster Zeit auf andere Weise immer noch wichtig sind.

Das Leben einer Gemeinde spielt sich in Räumen ab.

Zuerst in unserer schlichten und gerade darin schönen Peter-und-Paul-Kirche.

Sie ist ein würdiger Rahmen für unsere sonntäglichen Gottesdienste, für Taufen und Trauungen, für Familiengottesdienste und Andachten.

Für Konzerte ist sie wegen ihrer außergewöhnlich guten Akkustik bestens geeignet.

DIE EVANGELISCHE KIRCHE PETER UND PAUL

Die Google-Earth-Koordinaten-Datei:
Ev. Kirche Gönningen
Kirchstr. 3
Baugeschichte unserer Kirche als pdf-Datei zum Download ...
... dazu der Festvortrag und die Predigt ...

Weder von den Anfängen der Pfarrei Gönningen, noch von den Anfängen der Kirche wissen wir viel.

Bevor Gönningen eine eigene Pfarrei gehabt hat, gehörte es wohl zur Pfarrei Bronnweiler oder war nach Pfullingen eingepfarrt.

Im 12. Jahrhundert wird es in "Ginningen" eine kleine Kapelle gegeben haben, der dann im 13. Jahrhundert der Bau einer eigenen Kirche folgte.

In der Steuerliste des Konstanzer Bistums ist die Kirche 1275 erstmals erwähnt.

Über 700 Jahre also steht die Kirche in Gönningen am gleichen Ort im Oberdorf, auf einem erhabenen Platz, der damals interessanterweise gar nicht zum Dorf selbst, sondern eigentlich in die neue Stadt gehörte, die im 13. Jahrhundert von den Stöffeln gegründet wurde.

Aus dieser Zeit der Stiftung der Kirche stammen noch die romanischen Untergeschosse des heute noch stehenden Turms.

"Der spätgotische Chor aus dem 15. Jahrhundert entstand vermutlich als erste Phase einer dann für das Kirchenschiff unterbliebenen Erweiterung; der neue Chor erhielt die Breite des alten Schiffs. Vielleicht steht die Stiftung des Marienaltars 1464 und der Guß der dritten und größten Glocle 1483 mit der spätgotischen Bautätigkeit in Zusammenhang."

1608 muß an der Kirche gebaut worden sein, denn diese Jahreszahl stand in Stein gehauen über der südlichen Kirchentür.

Wie diese Kirche ausgesehen hat, wissen wir nicht.

Nur der Grundriß ist bekannt und die Tatsache, daß sie vom ehemaligen Friedhof umgeben und das ganze Areal von einer Mauer eingefaßt war.

1771 schreibt der damalige Pfarrer Sautter in seinem Visitationsbericht :"Kirche, Glokken, Uhr, vasa sacra, und auch Tothengarten sind im Stand." Die Kirche reichte für die 1260 Seelen große Gemeinde aus, wenngleich sie im Wachsen war.

1797 waren es schon 385 Seelen mehr und am 1. November 1819 waren es bereits 2035 Personen, die zur Gemeinde gehörten.

Für diese große Gemeinde war nun die Kirche zu klein.

"Sie ist so eng, daß den Schulkindern kein Raum in derselben angewiesen werden kann. ... Eben so wenig finden die Erwachsenen alle Platz in derselben. Sehr häufig gehen die, welche gerne einen Platz bekommen möchten, noch ehe das erste Zeichen läutet, gewöhnlich aber bei dem 2ten Zeichen in die Kirche. Welche nachtheiligen Folgen dieses auf die Anhörung des göttlichen Wortes haben muß, ist leicht einzusehen. So lange die Leute, ehe der Gottesdienst anfängt, müßig beisammen sind, zerstrreuen sie ihr Gemüt durch unnöthige Gespräche, bei denen es oft nicht viel stiller, als auf einem Marktplatz ist." Andere Pfarrer berichten von "Drückereien" infolge der Enge und davon, daß die Kinder auf dem Kirchplatz herumtoben oder im Kirchturm lärmen.

Die Kirche sei finster, so wird geklagt und niemand könne wegen des schlechten Lichtes singen.

So nimmt es nicht Wunder, daß der Wunsch nach einer Erweiterung der Kirche immer mehr Gestalt gewann.

1819 war dieser Wunsch schon über 20 Jahre alt.

Denn schon 1795 hatte man seitens der Gemeinde Baumeister Grohs aus Stuttgart mit der entsprechenden Planung beauftragt, aber gleichzeitig festgestellt, daß die Gemeinde zu arm sei, ein solches Vorhaben auch bezahlen zu können.

Da aber die Erweiterung der Kirche als dringend empfunden wurde und es an eigenen "Hülfsquellen" fehlte, schickte man den 70jährigen Johann Georg Wagner, Mitglied des hiesigen Magistrats, mit einem Genehmigungs- und Empfehlungsschreiben des Tübinger Oberamts versehen, in die benachbarte Schweiz, um dort bei den für ihren "Großmuth, Menschenliebe und Mildthätigkeit" bekannten Einwohnern eine Collekte zum Zwecke des "Kirchen- und Schulhausneubaus" zu sammeln.

Offenbar hatte die Reise des Johann Georg Wagner Erfolg, denn er kam mit einer Collekte von 233 Gulden und 20 Kreuzern zurück.

Freilich war damit nur ein Anfang gemacht.

Aus Allmandanteilen, Gebühren für die Varrenbenutzung, Verkäufen von Gemeindevermögen und Opfern versuchte man in den Besitz der 8ooo Gulden zu kommen, die das Kirchenbauwesen voraussichtlich kosten sollte.

Aber über dem Ansammeln von Geld verging die Zeit und als man 1819 konkret ans Planen gehen wollte, war der Plan des 1805 verstorbenen Baumeisters Grohs schon wieder überholt und alt.

Einerseits deshalb, weil er die Kirche zu klein projektiert hatte und die Gemeinde schon wieder angewachsen war, andererseits deshalb, weil seine Pläne nach Ansicht der Gemeinde gegen alle Regeln einer "vernünftigen Baukunst" verstießen.

Also brauchte man einen neuen Plan und noch mehr Geld, denn nun sollte das Vorhaben schon rund 12000 Gulden kosten.

Zu dieser Zeit war das viel Geld, allein schon deshalb, weil die "Commune" ein "Schulhaus für 6666 Gulden gebaut, eine neue Feuerspritze und eine neue Turmuhr angeschafft" hatte; lauter Dinge,die ebenso dringlich nötig waren.

Von den 12000 Gulden, die die Kirche kosten sollte, war nur die Hälfte an Kapital da.

Aber dennoch: "... im Vertrauen auf königliche und vaterländische Unterstützung ... welche sie (die Gemeinde; d.Verf.) von der Gnade des Königs mit Zuversicht erwartet" und im Vertrauen auf Gott wollte man das Unternehmen anfangen.

Das war 1819.

20 Jahre später sammelt man immer noch Geld und befürchtet, daß es noch einmal 20 Jahre dauern wird, bis an den Bau zu denken ist.

Nach jahrelangem Hin und Her war am 28. Februar 1838 die Geduld der hohen Kreisregierung offenbar am Ende, denn es wurde der Gemeinde schlichtweg befohlen, "daß sie eine neue Kirche erbauen müsse." Die Gemeinde machte daraufhin Einwände: sie habe das Geld nicht und außerdem gefalle der zweite Bauplan, den nunmehr Baurath Roth gefertigt hatte, auch nicht.

Nach diesem müsse man eine ganz neue Kirche erbauen, während man selber nur daran denke, die alte zweckmäßig zu erweitern.

Aber es half alles nichts! Die vorgesetzten Behörden blieben stur.

Bauinspektor Rupp aus Reutlingen, der schon den Lichtenstein erbaut hatte, wurde mit der dritten Planung einer neuen Kirche beauftragt und seinem Plan am 28. Juli 1841 durch die Behörden die Genehmigung erteilt.

"Am 13. März wurde die letzte Predigt, Kinderl(ehre) und Taufe in der alten Kirche gehalten, so dann am 14. desselben Monats der Anfang mit dem Abbruch derselben gemacht." Am 21. Juni 1842 wurde der Grundstein der neuen Kirche feierlich gelegt.

Alle Oberbeamten wurden eingeladen, dazu Bauinspektor Rupp, sein Bauführer Glocker aus Nürtingen, Maurermeister Schmid und Pfarrverweser Colb von hier.

Im Grundstein "wurden von jeder Gattung Silbermünzen, welche unter der Regierung des Königs Wilhelm geschlagen worden sind, je 1 Stück, 1 Bouteille Wein von 1834 und 1 Beschreibung der Verhältnisse des hiesigen Orts zur Zeit des Kirchenbaus" aufbewahrt.

Die Handwerksburschen des Maurermeistes Schmid bekamen an diesem Tag 15 Gulden zu ihrer "Ergötzlichkeit" aus der Gemeindekasse ausbezahlt und auch die Spesenrechnung der hohen Herrn ging zu Lasten der Gemeindekasse.

2 1/2 Jahre wurde an der Kirche durch Maurer, Steinhauer, Gipser, Zimmerer, Schreiner, Glaser, Schlosser, Flaschner und Maler gebaut.

Das Schiff wurde errichtet, der Turm erhöht.

Bei Häfnermeistern wurden für das Turmdach ca. 10 000 grün glasierte, 5eckige Dachziegel in Auftrag gegeben.

Im Oktober 1844 ging das Bauwerk seiner Vollendung zu.

Der Stiftungsrath und der Bürgerausschuss traten zusammen und berieten die Sitzordnung,die bei der Einweihung der neuen Kirche am 27. Oktober 1844 gelten sollte.

Die Bänke auf und unter der Empore wurden genau eingeteilt, denn am Tage der Kircheneinweihung wurde eine große Gemeinde erwartet.

Außerdem wurde im Gottesdienst Pfarrer Wiedersheim in sein Amt als neuer Pfarrer in Gönningen eingeführt, dazu kamen noch Taufen und eine Hochzeit.

Die neue Kirche konnte sich sehen lassen.

Sie war nun endlich groß genug und bot ca. 800 Gottesdienstbesuchern Platz.

Die Kanzel war gut gestellt und der Schalldeckel nicht zu nahe am Haupt der Prediger installiert .

Auf dem neuen Altar stand ein eisernes Kruzifix, das heute den Tisch in der Sakristei schmückt.


Ein Blick in die Kirche, wie sie sich 1965 darstellte! (35 kB) Zurück dann mit dem RETURN-BUTTON Ihres Browsers

Die Altar und Kanzelbehänge waren aus scharlach- und königsblauem Tuch, das ein Reutlinger Tuchfabrikant gestiftet hat.

Heute schmücken Paramente von Andreas Felger, die extra für die Gönninger Kirche entworfen wurden, den Altar und das Stehpult.







Auf der Empore an der Westseite der Kirche fand die neue Orgel ihren Platz, die "Orgelbauer Engelfried aus Möhringen, Oberamts Horb" gefertigt hatte, den der Stiftungsrath nicht nur wegen seines wunderbaren Könnens und meisterlichen Geschicks, sondern auch wegen seines "anspruchlosen, bescheidenen Benehmens und soliden Charakters" nur bestens empfehlen konnte.

Kirche und Orgel kosteten 39.929 Gulden, 27 Kreuzer und 3 Heller.

Die Gönniner Gemeinde hatte und hat seither eine große und schöne Kirche, die weithin sichtbar den Ort überragt und ihm sein unverwechselbares Profil gibt.

1909 bekam sie mit drei Kronleuchtern, die Schlossermeister Mader und Malermeister Wagner von hier angefertigt hatten, erstmals eine elektrische Beleuchtung, so daß fortan auch Abendgottesdienste gehalten werden konnten.

1910 wurden an den beiden Portalen Windfänge eingebaut.

1925 mußte die Kirche zum ersten Mal renoviert werden.

Ein Erdbeben von 1913 hatte Sprünge und Risse an den Wänden verursacht, die nun - nach 12 Jahren - ausgebessert werden mußten.

Der Chor bekam einen neuen Fußboden aus Solnhofer Platten.

Zur Ausschmückung der Kirche wurde bei der Fa. Kaiser aus Iggingen bei Schwäbisch Gmünd ein Holzkruzifix gekauft, der noch heute unsere Kirche schmückt.

1926 bekam der Chor neue Fenster, von denen eines das Wappen der Herren von Stöffeln und in seinem unteren Teil die Namen der am Neubau beteiligten Handwerker von 1842-44 zeigt.

In zwei andere Fenster wurden die Namen der Gefallenen der beiden vorhergehenden Kriege eingesetzt.

1955 wurde unter Pfarrer Wagner die Kirche erneut renoviert.

Mit dem Einbau des elektrischen Läutewerks und einer neuen Turmuhr im Jahre 1960 war die Zeit der Läutebuben, die vor jedem Gottesdienst "in den Seilen hingen" endgültig vorbei.

1969 erfuhr unsere Kirche noch einmal eine Renovation: ein neues Gestühl und eine neue Heizung wurde eingebaut.

Und heute, 20 Jahre danach, stehen wir wieder vor der Aufgabe einer baulichen Verbesserung.

Die elektrischen Anlagen sind schadhaft und entsprechen nicht mehr den Vorschriften, die für ein öffentliches Bauwerk gelten.

Eine neue, festliche Beleuchtung soll unsere Kirche zieren, die Fenster sollen aus ökologischen Gründen doppelt verglast werden und an manch anderen Stellen sind Ausbesserungen nötig.

Jede Kirche ist nur zu erhalten, wenn man im wörtlichen und im übertragenen Sinne an ihr baut.

Keine Kirche, weder das Gebäude, noch die "Gemeinschaft der Heiligen" ist jemals fertig.

Darum hat sich jede Generation zu fragen, wie sie die ihr geschenkte und vererbte Kirche erhält und neu mit Leben füllt, damit sie an ihrem jeweiligen Ort ein Zeichen der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung (1. Kor 13,13) ist und bleibt.

DAS SAMENHÄNDLERDENKMAL


60 Jahre Samenhändlerdenkmal in der evangelischen Kirche in Gönningen
1943 - 2003

Festgottesdienst am Sonntag, 21. September, in unserer Kirche
Pfr. i. R. Ulrich Schüle/Pfr. Alexander Behrend

 
Faksimile der Schrift von Dr. Klaus Kemmler "Das Samenhändlerdenkmal" (17 MB!)
 
Beiträge des Reutlinger Generalanzeigers zum Thema Gönninger Tuff
 
Zur wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung des Tuff-Steins gab es am Freitag im Gönninger Rathaus einen Vortragsabend; er bildete den Auftakt zur Eröffnung eines Tuffstein-Lehrpfades, der vom Rathaus bis zu den Gönninger Seen führt, wo bis vor knapp drei Jahrzehnten der Abbau vonstatten ging - und natürlich haben auch Kirche und Samenhändler-Denkmal ihren Platz auf den Schautafeln.

Schon anfang 1942 bewegte den damaligen Pfarrer Ernst Schüle der Wunsch, "zum Andenken an die vielen von einer Reise nicht mehr zurückgegkehrten und auf tragische Weise ums Leben gekommenen Samenhändler ein Denkmal aufstellen zu lassen." Im Rahmen seiner Familien- und (unter den Umständen des Dritten Reiches oft verlangten Ariernachweise) Ahnenforschung stieß Pfr. Schüle in den Totenbüchern des öfteren auf kurze oder ausführlichere Nachrichten, die über den Tod von reisenden Samenhändlern und deren Begleitumstände berichteten.

"So verirren sich in der Silvesternacht von 1805 2 Händler, Johann Georg Löffler und Philipp Christoph Händle. Sie konnten von Genkingen her den Weg nicht finden und erfroren elendiglich in der eisigen Nacht."

Ein anderer namens Haubensak starb 1738 in einem ungarischen Krankenhaus an einem hitzigen Fieber.

"Der dortige evang. Pfarrer berichtete in die Heimatgemeinde: 'Er starb unter andächtig gen Himmel geschickten Seufzer und entschlief in Frieden.'"

Über 244 solcher Schicksale hatte Pfr . Schüle gezählt, deren gedacht werden sollte.

Aus der Gönninger Gemeinde, aber vor allem aus den Reihen der im Ausland lebenden Gönninger Samenhändler erhielt er zahlreiche Spenden, die die Ausführung des Denkmals möglich machten.

Der Bildhauer und Kunstprofessor Scheible aus Ulm schuf das Denkmal, das 1943 innerhalb der Kirche aufgestellt und eingeweiht wurde.

Das Denkmal zeigt in der Mitte und in überragender Höhe den Gekreuzigten.

"Darunter sind die beiden Bilder angebracht, denen wir die Überschrift 'Auszug' und 'Heimkehr' geben möchten.

Der Blick des rüstigen Wanderers zur Linken , der mit dem Samensack beladen, den knorrigen Stock in der Hand, munteren Schritts auszieht, ist geradeaus gerichtet.

Seine Gestalt ist gestrafft.

Das Geschäft ist sein ganzer Gedanke, die Wanderschaft sein Beruf.

Die Fremde seine Welt.

Scheu folgt ihm das junge Weib.

In ihrem Gesicht ist etwas eingeschrieben, von dem Leid und der Not des Wanderlebens.

Sie folgt dem Mann, an seiner Seite hat sie ihren Platz.

Noch hat auch sie keinen Blick für den stillen Mann in der Höhe.

Ganz anders ist die Heimkehr dargestellt.

Heimkehr im ewigen Sinn ist es.

Dem müden Wanderer ist der Stab entglitten.

Zerissen ist das Gewand, leer der Sack, verwildert das Gesicht, wie er auf dem Weg zusammengebrochen liegt.

Völlig verlassen ist er, auch die Weggefährtin ist in dieser Stunde nicht um ihn.

Todeseinsamkeit umgibt seine Seele.

Aber sein Antlitz ist verklärt.

Ein Leuchten geht darüber hin, wie seine Augen durch den tröstenden Engel hingezogen werden auf den Heiland.

... Über der Mühsal seines Lebens hat er den rechten Wegweiser zur ewigen Heimat erkannt."

DIE KIRCHENGLOCKEN

Am zweiten Tag des neuen Jahres 1884 stieg Konrad Threutlein die Stufen des Kirchturms hinauf.

Offenbar hatten die Glocken das Interesse des Würzburger Kaufmanns geweckt, der zu dieser Zeit im Göninger Pappenwerk logierte.

In einer wunderschön gestalteten Urkunde notiert er peinlich genau die Größe, das Alter und die Inschriften der drei Glocken, die auf dem Turm hängen.

Danach wurde die größte Glocke 1483 im Geburtsjahr Luthers durch "hans eger glogengiese" in Reutlingen gefertigt.

Als Inschrift trug sie die Namen der vier Evangelisten "lucas + marcus + matheus + johannes".

Nachdem sie 400 Jahre lang ihren Dienst getan hatte, bekam sie einen Riß und wurde 1884 durch den Glockengießer Kirchdörfer umgegoßen.

Danach trug sie "auf der einen Seite das Bildnis Luthers und auf der anderen die Worte: 'Ein feste Burg ist unser Gott'".

Am unteren Rand stand als weitere Inschrift : "Umgegossen 1884, in welchem Jahr die Gemeinde Gönningen durch Hagelschlag und Sturm heimgesucht wurde."

Die zweite Glocke muß ebenfalls im 14. Jahrhundert gegossen worden sein und auch die kleinste Glocke war sehr alt.

Bis 1917 bestand dieses Geläut und rief die Gemeinde zu Gottesdienst und Gebet.

1917 mußte die große Glocke an die Tübinger Materialsammelstelle abgeliefert werden, um "mit vielen hundert Genossinnen aus manchem deutschen Land auch in den Dienst der Vaterlandsverteidigung zu treten." Im Ort, so berichtet der damalige Pfarrer Kappus, wurde ein Gottesdienst gefeiert und noch einmal war das ganze Geläut zu hören.

"Am Tag darauf, dem 14. Juni war vormittags 9 Uhr wieder ein großer Theil der Gemeinde, vorne dran natürlich unsere Jugend, versammelt, um zu sehen, wie die Glocke vom Turm geworfen wurde.

Und auch diesen Augenblick wird sicher keines vergessen, das dabei war, wie die efeugeschmückte Glocke oben auf ihrem Balkenlager langsam, Ruck um Ruck, zum Turmfenster herauskam und dann unter atemloser Spannung den Sprung in die Tiefe tat, wo sie völlig unversehrt ankam, trotzdem sie es vorzog, dicht neben dem vorsorglich bereiteten Reisig-Bett Platz zu nehmen." Kurz nach Kriegsende bemühte man sich wieder um ein volles Geläut.

Dabei sollte nicht nur die fehlende Glocke ersetzt, sondern drei neue Glocken gekauft werden.

Spenden aus der eigenen Gemeinde, aber auch viele Spenden der auswärtigen Samenhändler, vor allem aus der Schweiz und Amerika, machten die Umsetzung dieses Planes möglich.

Am 19. April 1920 wurde die erste der neuen Glocken auf dem Turm montiert, die Glockengießer Hermann Kurtz in Stuttgart gegossen hatte.

Die größte Glocke ist die "Heimatglocke" geworden, die die besondere Verbundenheit der "Auslands- gönninger" mit ihrem Geburtsort zum Ausdruck bringen sollte.

Ihre Aufschrift war: "HEIMATGLOCKE Kein Platz der Erde kann Dir sein Was Dir die Heimat ist. Gestiftet zur Ehre Gottes von Katharina Herrmann, geb.Reiber Bern-Gönningen 1920"

Am Sonntag nach Kirchweih 1921 konnten auch die anderen Glocken in das Geläut einstimmen, so daß mit der Heimatglocke, der Vaterunserglocke und der Friedensglocke, die bis heute auf dem Turm hängt, das Geläut wieder vollständig war.

Freilich dauerte dieser Zustand nicht allzu lang.

Am 23. März 1940 wurde sämtlichen Pfarreien über den Oberkirchenrat ein Erlaß des Generalfeldmarschalls Göhring mit dem Vermerk "Vertraulich! Eilt sehr!" zugestellt, in dem es heißt, "daß die in Glocken aus Bronze ... enthaltenen Metallmengen zu erfassen und unverzüglich der deutschen Rüstungsreserve dienstbar zu machen (sind)." 1942 wurden zwei Glocken abgehängt und über die Kriegsjahre hinweg läutete nur noch die kleinste, die Friedensglocke von 1921, den Sonntag ein.

Nach dem zweiten Weltkrieg war es dann Pfarrer Wagner, der sich nicht für den baldigen Neuguß der Glocken einsetzte.

Durch eine im Januar 1950 begonnene Spendenzeichnung, bei der die bürgerliche Gemeinde, der Albverein und der Gesangverein ihren Teil beitrugen, konnten bald neue Glocken bestellt werden.

Da die Glockenstube groß genug war, beschloß der damalige Kirchengemeinderat, das Geläut auf vier Glocken zu erweitern.

Das nötige Eichenholz für den vierten Glockenstuhl wurde von der bürgerlichen Gemeinde gestiftet.

Am 1. Oktober 1950 war es dann so weit, daß von unsrem Kirchturm vier Glocken zu hören waren.

Die Tonfolge war nun nicht mehr harmonisch aufgebaut, sondern folgte der Melodie eines Gesangbuchliedes.

FIS - A - H - CIS sind die Töne, in denen unsere Glocken zu Gebet und Gottesdienst rufen.

Und jedesmal wenn sie es tun, stimmen sie das Adventslied "Oh Heiland reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf" an.
 
Lassen Sie die Glocken läuten ...
 

Glocke 1 (Kreuz-Glocke)

 

Glocke 2 (Bet-Glocke)

 

Glocke 3

 

Glocke 4 (Tauf-Glocke)

 

Volles Geläut

 

Schlag 12 ...

 

DAS PFARRHAUS

Die Google-Earth-Koordinaten-Datei:
Pfarrhaus/Gemeindebüro Gönningen
Torstr. 20

"Im Jahre 1606 wurde das heutige Pfarrhaus als Wohnung mit Scheuer und Stall unter einem Dach, mit Waschhaus, Dörrofen (für die Schnitz!) und Schweinestall aus Mitteln des Kirchenkastens neu erbaut, nachdem die geistliche Verwaltung am 11. Juli 1606 das alte Pfarrhaus samt Scheuer und Hofraitin an die Gemeinde um 216 Gulden verkauft hatte. Wo dieses alte Pfarrhaus einstmals gestanden hatte, ist nicht mehr bekannt."

Noch heute sind viele Geschichten im Gang, in denen das Pfarrhaus in Freud und Leid eine wichtige Rolle im Leben der Gemeinde spielt.

Immer wieder wurde das Pfarrhaus umgebaut: aus der Scheuer wurden im Laufe der Jahre Gemeindesäle, in denen der Jünglingsverein, der Posaunenchor, der CVJM, der Jungfrauenverein, die Jungscharen, der Altennachmittag, der Konfirmandenunterricht, die verschiedenen Chöre und andere ihre Heimat hatten.

Aus den Gemeindräumen wurden anfang der 80er Jahre zwei Garagen und zwei Wohnungen; und im ganzen Haus hat neben der Pfarrfamilie das Pfarrarchiv, die Amtsräume und die Krankenpflegestation ihren Platz.

DAS GEMEINDEHAUS

Die Google-Earth-Koordinaten-Datei:
Ev. Gemeindehaus Gönningen
Hauptstr. 23

Seit 1982 besitzt die evangelische Kirchengemeinde in der Hauptstraße ein gelungenes und zweckmäßiges Gemeindehaus, in dem Junge und Alte in der Mitte des Ortes "ihren" Platz haben.

Der Gönninger Architekt Frik hat es entworfen, viele Gönninger, unsere Vereine und unsere Landeskirche haben es durch Spenden und Zuwendungen "erbaut".

Das Haus, so wurde bei einem Einweihungsfest gewünscht, sollte für Junge und Alte da sein, dem Frieden und der Verständigung dienen.

Es sollte ein Ort sein, an dem Gottes Wort laut und lebendig wird. In ihm soll Frölichkeit ihren Platz und Trauer ihr Recht haben.

Auf vielfältige Weise haben sich diese Wünsche erfüllt.

Schaut man sich die Belegung an, dann sieht man, wievielen Gruppen und Interessen es Platz bietet.

Am Montag treffen sich die Pfadfinder im Jugendbereich und im Großen Saal übt der Posaunenchor.

Einmal im Monat trifft sich an diesem Abend im Clubraum der Arbeitskreis für feministische Theologie.

Am Dienstag morgen füllt der Miniclub das Haus mit Leben, nachmittags und abends wird getöpfert und üben die Volkstanzgruppen der Donauschwaben.

Am Mittwoch morgen ist wieder Miniclub, nachmittags Konfirmandenunterricht, abends Kinderkirchvorbereitung und Kirchenchorprobe.

Am Donnerstag findet die Frauenstunde der Altpietistischen Gemeinschaft statt, am späten Nachmittag ist Jugendgruppe und abens ist in 14tägigem Abstand Bibelseminar.

Jeden ersten Donnerstag treffen sich die Jüngeren Senioren und jeden dritten Donnerstag ist Kaffeestündle.

Am Freitag ist Jungschar, nachmittags Gospelchor, abends Gebetskreis und einmal im Monat Sitzung des Kirchengemeinderats.

Am Sonntag morgen ist Kindergottedienst und abends lädt die Altpietistische Gemeinschaft zur sprichwörtlichen "Stond" ein.

Gegenwärtig beherbergt das Gemeindehaus noch einen provisorischen Kindergarten der Stadt.

Für alle Gruppen ist das Gemeindehaus ein unentbehrlicher und nicht mehr wegzudenkender Ort unseres gemeindlichen Lebens geworden.

Wie viele Veranstaltungen, Seminare, Vorträge, Nachmittage, Bibelwochen, Feiern und Gemeindefeste finden in diesem Hause statt! Bei den Räumen, in denen kirchliches, oder besser gesagt, christliches Leben stattfindet, dürfen die HÄUSER nicht vergessen werden, in denen Christinnen und Christen wohnen, miteinander beten, über der Bibel sitzen und studieren und in der Fürbitte füreinander da sind.

DIE KINDERKIRCHE

1910 wurde in der evangelischen Kirchengemeinde mit einer Kinderkirche begonnen.

Vorbild war die "Sonntagsschule", die in der methodistischen Kirche gehalten wurde.

So konnten am Sonntag nachmittag zwischen 13 und 14 Uhr bis zu 200 Kindern unter der Leitung von 12 Helferinnen in verschiedenen Gruppen ihren Kindergottesdienst feiern.

Zum festen Bestandteil des Kindergottesdienstes gehört das Erzählen der biblischen Geschichten, das Psalmgebet und das gemeinsame Singen.

Bis heute ist der Kindergottesdienst der einzige Gottesdienst, der hauptsächlich von Laien gehalten wird.

Der Kindergottesdienst ist jetzt Sonntag morgens, nach dem Hauptgottesdienst im Gemeindehaus.

Er will ein Gottesdienst mit "Herzen, Mund und Händen" sein, in dem nach wie vor biblische Geschichten die wichtigste Stelle einnehmen, die in kindgemäßer Weise erzählt, gespielt, gemalt, erraten, gesungen...werden.

Gehalten wird er von sieben jungen Frauen unserer Gemeinde.

Jährliche Höhepunkte sind die Kinderbibelwoche, die in der letzten Sommerferienwoche stattfindet und die Weihnachtsfeier der Kinderkirche im Stall der Familie Schuhmacher.

Stand 2009 ist übrigens folgender:
Kindergottesdienste mit gemeinsamem Beginn mit den Erwachsenen während der "Gemeindehaus-Gottesdienstzeit" im Februar/März (sechs Wochen) ab 10.00 Uhr
Kinderbibelwoche in der letzten Sommerferienwoche
KinderbibelwocheSpezial-Nachmittage monatlich (Oktober, November, Januar, April, Mai, Juni)
KinderbibelwocheSpezial-Vormittag am 24.12.
Familiengottesdienst am Ende der Sommerferien und am Erntedankfest und nach Ankündigung

DER GEMEINDEDIENST

Frauen und mittlerweile ein junger Mann gehören zum Gemeindedienst, der für unsere Gemeinde einen unschätzbaren Wert hat.

Der Gemeindedienst trägt die Gemeindebriefe aus, führt im Jahr eine Sammlung für die Diakonie und eine für Brot-für-die-Welt durch, lädt zum großen Adventsnachmittag und zum jährlichen Altenausflug ein und ist damit eines der wichtigsten Verbindungsglieder zwischen Gemeinde und Gemeindegliedern.

Bei einem Mitarbeiterausflug im Jahre 1973 machte Pfarrer U. Schüle in der Rolle des Turmhahns seine Verse auf den Gemeindedienst, die gerne zitiert seien:

"Zom Beispiel die Gemeindedienstfraua sonscht gsiehn i se bloss durch da Flecka saua, mit Gmonidebriaf ond Hilfswerkgucka an Klengla ond an Türknepf drucka; ...em Dienscht der Kirch.

Uf meiner Höh wurd i ganz stolz, wann i des seh, wie se do brav und overdrossa ond älle Widerständ zum Bossa jahraus, jahrein s' Dorf hintre und für uf Stäffla, en Stuba ond onder dr Tür freundlich zulosnet ond freundlich schwätza.

Denn, g'wiess: esgeit o'ghobelte Fetza, 's geit arge Heide, päbe Sender onder de Gönninger Pfarrkender. Drom frait's me so, i muss grad sage, daß's deane Weiber no net d' Appetit hot verschlage, dass se zualange kennet ond trinket ond lachet ond gar net de Ei'druck vo Märtirer machet, wia en seim Dienscht dem Herr Jesus Chrischt a frohs Gsicht liaberals a sauers ischt. Bleibet no so, ihr liabe Fraue!"

Diesem Wunsch ist nichts anzufügen - außer dem besten Dank und der freundlichsten Hochachtung für alle, die zum Teil schon jahrelang im Gemeindedienst mitmachen.

DER ALTENNACHMITTAG

Seit Jahrzehnten gibt es einen Altennachmittag.

Einmal im Monat wird dazu eingeladen.

Früher fand er im Gemeindesaal statt, heute im Gemeindehaus.

Nach wie vor sind es einige Frauen aus der Gemeinde, die sich als "gute Geister" des "Kaffeestündles" begreifen, wie der Altennachmittag eigentlich heißt.

Die Atmosphäe des Altennachmittags bringt jenes Gedicht am besten zum Ausdruck, das sich ohne Autor im Archiv findet:

"Altenochmittag

En onserem Pfarrhaussaal sicht jeden Monet eimal Altenochmittag om drei.

Schau morgens traget von Fraueverei oine Kuche ond Blümle en Saal nei.

Nemm a, daß se Tisch decket mit Teller ond Tassa ond dont Blauma en d'Vase neipassa.

A bißle festlich mueß es halt sei ond deshalb Dekoratio dabei.

So gege drei - han i vernomma- seiht ma die ältere Dama ankomma.

De oine no recht schwungvoll und grad, de andere beschwerlich ond gstaat.

Am Afang sei viel Lärm ond Gered, was ma natürlich au guet versteht; denn en vier Woche kann viel passiere, ond des mueß ma ordentlich durchdisputiere.

Beim Kaffeetrenka läßt's noch, des Schwätza, sonst tät ma nämlich no s' Tischtuch verpätza.

Der Kaffee sei gut, han i erfahre, die Dama dätet mit Bohne et spara.

Gibt's sonstwo en Kaffee, no hoißt's glei: Oh nei, i dank schö, sonst schlaf i heut nacht nimmer ei.

Doch nach ema Kaffee vom Altetag do hört ma nia a solche Klag.

Ma denkt ans Gespräch vom Kaffeetisch ond merkt net, daß ma längst ei'gschlofa isch.

Es soll recht schö sei und s'werd au viel glacht, s'werde Lieder gsonge ond Scherzle g'macht.

Ma hört scheint's Gedichtla, Gitarraspieler, ond öfter was Netts von de Kenderschüler.

Des älles soll halt dazu passa, Euch Euren Kummer vergessa zu lassa.

Auch ezigt ma Dias von Nah und Fern, vom Ausland.

vo d'r heimat ond sicht wieder gern recht z'frieda on dankt für sei täglich Brot.

Ma sieht net bloß Schönes, au Elend und Not.

Ond kommet Geburtstagskender an d'Reih no stimmt ma en ihr Wunschlied ei.

Mit Kerzelicht wird gratuliert ond a Blumesträußle spendiert.

Dann spricht d'r Herr Pfarrer - oder auch tuats gelegentlich sei Frau - dazu a paar besinnliche Wort; denn daß ma aus der Welt mueß fort wird emmer klarer, wenn ma alt, ob etzt glei oder no net so bald.

Ond scho isch fünfe, weiß net wie, ma dankt de Dama für ihr Müh.

Es kommt für dia au mol die Zeit do send se alle grad so weit.

No singt mer s'Schlußlied, sagt ade, daß ma sich demnächst weiderseh am dritte Doschtig gege drei ond daß se alle wieder dabei."

DER KIRCHENCHOR

Im Jahre 1918 wird zum ersten mal ein Chor erwähnt, der damals von Frau Pfarrer Schüle ins Leben gerufen wurde.

Er bestand hauptsächlich aus Mitgliedern des Jungfrauenvereins.

Im Jahre 1931 wurde dieser Chor von Schulleiter Rauscher, welcher auch Organist war, übernommen.

In dieser Zeit kamen Männerstimmen dazu und es entstand ein vierstimmiger Kirchenchor, der ab 1935/36 von Lehrer Grassek weitergeführt wurde.

Vierstimmig sang der Chor zum ersten mal 1936 bei der Hochzeit von Ilse und Emil Schwenk.

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 leiteten die Gemeindehelferinnen Spellenberg den Chor.

Nach Kriegsende übernahm 1945 ein nach hier evakuierter Lehrer Otto Pardall die Leitung des Chores bis zu seinem Wegzug 1949.

Danach war wiederum Lehrer Grassek Chorleiter bis zu seinem Tode 1966.

Im Jahre 1967 wurde durch Pfarrer Ulrich Schüle der Kirchenchor wieder neu ins Leben gerufen.

Die Leitung übernahm Erna Kautter aus Tübingen.

Sie dirigierte am 30. September 1967 zum ersten Mal den Chor anläßlich der Hochzeit von Käthe und Ulrich Heinz.

Unter ihrer Führung erlebte der Gönninger Kirchenchor einen erfreulichen Aufschwung.

So konnten zahlreiche Konzerte mit Werken von Schütz, Bach, Zelenka bis hin zu neuen Werken der Romantik und zeitgenössischer Musik mit hoher musikalischer Qualität musiziert und gesungen werden.

(Brändle, E. Wagner)

DER POSAUNENCHOR

Am 1. Februar 1925 wurde unter Leitung von Christian Henes, Leiter des Jünglingsvereins, und 8 jungen Männern, die bereit waren, das Spielen eines Blechblasinstrumentes zu erlernen, der Posaunenchor Gönningen gegründet.

Als Richtschnur ihrer Aufgabe und ihres Dienstes wurde die Satzung des Jünglingsvereins übernommen und um 10 Punkte erweitert, die jeder zukünftige Bläser zu unterschreiben hatte.

Das Einstiegsgeld betrug 10 Mark.

Christian Henes übernahm den theoretischen Unterricht wie Notenlesen, Griffe einüben etc.

Was noch fehlte waren Instrumente und zum Kauf derselben das nötige Geld.

Die Mitglieder des Posaunenchores entschlosssen sich, eine Sammlung im ganzen Dorf durchzuführen, an deren Ende sie die stolze Summe von 400 Mark beisammen hatten.

Dieses Ergebnis war auch ein Beweis dafür, daß die Einwohnerschaft von Gönningen ein Interesse am Zustandekommen eines Posaunenchores zeigte.

Dennoch reichte das Geld noch nicht aus, um alle vorgesehenen Instrumente zu kaufen.

Da entschlossen sich zwei Bläser, ein eigenes Instrument zu kaufen, so daß der Chor in der vorgesehenen Instrumentierung angefangen werden konnte.

Alles war nun vorhanden: junge Männer, die mit Begeisterung dabei waren und Griffe übten, Noten lernten - nur kein Chorleiter, der den Chor anleiten konnte.

Diesen nicht ganz leichten Dienst übernahm Georg Haid, Straßenwart, der früher dem Posaunenchor Pfullingen angehörte.

Somit war Georg Haid der erste Dirigent und Chorleiter des Posaunenchores Gönningen.

Dieses Amt übte er bis zum 7. Juni 1934 aus.

Donnerstags wurde im Pfarrhaus geübt und sonntags früh in der Pappenfabrik und später auf der Säge.

In der Chronik des Chores steht: "Zu beneiden war die Pfarrfamilie Schüle nicht um die abendlichen Konzerte, die die Anfänger ihnen gaben." Der erste große, öffentliche Auftrit des Posaunenchores war der 19. September 1926 am Evang. Jugendtag, der auf dem Scheibenwasen abgehalten wurde und vom CVJM und dem damaligen Jungfrauenverein veranstaltet wurde.

Als Gäste kamen unter anderen der Posaunenchor Kusterdingen, Gomaringen, Genkingen und Undingen.

Aus dem Erlös des Tages wurde ein weiteres Instrument gekauft.

Nach der ersten Euphorie kam es 1927 zu einem gewissen Mitgliederschwund, der u.a. mit der Gründung eines Musikvereins zusammenhing.

Am 6. November 1926 wurde der Posaunenchor zusammen mit dem CVJM aufgelöst und am 13. März 1927 unter anderen Voraussetzungen und Grundlage neu gegründet.

Der Posaunenchor bestand in dieser Zeit noch aus 6 Bläsern.

In den folgenden Jahren nahm der Chor an Bläsern zu, so daß der Bestand des Chores mit guter Aussicht gesichert war.

Ein Höhepunkt in der jungen Chorarbeit war der Besuch des unvergessenen Landesposaunenwartes Herrmann Mühleisen im September 1930, der dann anfang Dezember 1934 einen Posaunenlehrgang in Gönningen durchführte, der mit einer Posaunenfeierstunde in der Kirche abschloß.

Vom 1. September 1934 bis 16. Juni 1977 leitete Otto Kemmler als Chorleiter die Geschicke des Posaunenchores.

Das 1ojährige Jubiläum des Chores wurde am 10. März 1935, verbunden mit einem Bezirksposaunentag, feierlich begangen.

Begonnen hatte der Festtag mit einem Kurrendeblasen an verschiedenen Plätzen der Gemeinde Gönningen, anschließend war Festgottesdienst .

In den folgenden Jahren wurde der Posaunenchor weiter zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens bei Gottesdiensten und auch anderen Veranstaltungen auf Bezirks- und Landesebene.

Die Ausdehnung des Militärdienstes und die Kriegsjahre blieben für den Posaunenchor nicht ohne Folgen.

Nur noch 5 Bläsern war es vergönnt, die Chorarbeit aufrecht zu erhalten.

Freilich waren diese mit ganzem Ernst und ganzer Freude dabei, so daß sogar Fußwege von bis zu 10 Kilometern gerne in Kauf genommen wurden.

Der Posaunenchor blieb vom Propagandafeldzug der NSDAP nicht verschont und spielte sogar an ihren Heldengenktagen nicht nur Choräle.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Chorarbeit 1946 wieder aufgenommen und eine neue Generation zog in den Chor ein, wobei es vielfach die Söhne der Gründerväter waren.

Zum 13. Landesposaunentag im Mai 1948 fuhr der ganze Chor auf einem offenen Holzvergaser-Lastwagen.

Wie in jedem Chor gab es manchen Wechsel bei den Mitgliedern .

Es erfüllt aber heute mit Freude und Dank, daß der Chor weiter bestehen und seinen Dienst in Kirche und Gemeinde erfüllen konnte.

Am 16. Juni 1977 wechselte die Verantwortung in der Führung des Chores.

Vorstand ist seither Gotthilf Haid, ein Enkel des ersten Dirigenten, die Chorleitung liegt bei Walter Schneider, Kassier ist Bruno Kemmler, Sohn des vorherigen Chorleiters.

Die Zeiten und die Menschen haben sich geändert.

Die Aufgabe und die Ziellsetzungen des Posaunenchores sind aber auch 1992 die gleichen: wir spielen zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.

(W.Schneider)

DIE ALTPIETISTISCHE GEMEINSCHAFT

"Die Altpietistische Gemeinschaft", so schreibt ihr letzter Gönninger Leiter, Diakon Paul Wick, "ist aus dem klassischen Pietismus Philip Jakob Speners herausgewachsen. Durch J.A. Bengel bekam er die typisch schwäbische, biblizistische Ausprägung. Das offizielle Heimatrecht als innerkirchliche Bewegung bekam der Pietismus in Württemberg durch das berühmte Pietisten-Rescript 1743".

Seit jenem Rescript war es in Württemberg erlaubt, sich zum Zwecke des Bibellesens und der geistlichen Erbauung in verschiedenen Häusern privat zu versammeln.

Nichts desto trotz wurden die Pfarrer von ihrer Obrigkeit angewiesen, in ihrer Gemeinde ein Auge auf die "Privatversammlungen" zu haben und in ihren Visitationsprotokollen näheres zu berichten.

Erst 42 Jahre nach dem berühmten Pietisten-Rescript hat es nach den Akten in Gönningen eine solche Privatversammlung gegeben.

In seinem Bericht zu der am 16. Juli 1795 ausgeschriebenen Visitation schreibt Pfarrer Eidenbenz:

"Privat-Versammlung wird ungefähr von 10 Weibs- und 2 Mannspersonen in aller Stille und Ordnung nur je und je gehalten, in einer Wittfrau Katharina Barbara Hermännin Haus, sonntags nach der Abendkirch, wo ein Kapitel aus dem Neu Testament gelesen und darüber geredet wird. Sie verhalten sich bisher nach den herzöglichen Rescripten, der Pfarrer besucht sie bisweilen."

Interessant ist, was die Pfarrer im Laufe der Jahre in ihren Berichten für erwähnenswert halten: sie halten Gottesdienste ohne Trennung der Geschlechter (Visitationsbericht 1829), sie halten sich an den protestantischen Lehrbegriff (ebd.), besuchen den Pfarrer, wenn er krank ist, üben sich im Singen, Lesen aus der Bibel und erbauen sich mit der Literatur der pietistischen Väter.

Das Hiller'sche Schatzkästlein, das Arndt'sche Paradiesgärtlein, die Schriften und Predigten von Oetinger, Hahn, Spener u.a. war eine beliebte Lektüre.

Unter den Gemeinschaftsleuten, die ab 1826 in den Berichten Pietisten genannt werden, ging es in der Regel friedlich zu.

Eine Ausnahme wird im letzten Jahrhundert zwischen 1839 und 1850 die Abspaltung einer zweiten Versammlung, der Pregizianer, gewesen sein, deren Unterschied zu den sogenannten normalen Pietisten die einseitige Betonung der Rechtfertigungslehre, der Erlösungsjubel und der Bruderkuss war.

Die Mitgliederzahl der pietistischen Gemeinschaft bewegte sich stets um die 30 Frauen und Männer herum.

Einmal werden weniger genannt, andere Male mehr.

So hat der Vikar 1858 die sonntägliche Zusammenkunft ins Schulhaus verlegen müssen, weil über 100 Personen zusammengekommen sind.

Davor und auch später traf man sich in den Häusern einzelner Mitglieder.

In der Mitte dieses Jahrhunderts noch im Säle des Oberlehrer Bezner in der Lichtensteinstraße, später im Pfarrsaal und seit 1982 im neuen Gemeindehaus.

Die Leiter und v.a. die Sprecher der Gemeinschaft kamen und kommen bisweilen von benachbarten Orten oder eben auch von hier, wie der genannte Oberlehrer Bezner, Christian Hagelloch, Wilhelm Werner, Bauer Klein und Paul Wick.

1962 gab es sogar einen kleinen Gemeinschaftschor.

Bis heute ist "d'Stond" am Sonntag abend um 19 Uhr und dauert genau eine Stunde.

Am Donnerstag nachmittag wird zur Frauenstunde ins Gemeindehaus eingeladen.

Geblieben neben dem Lesen der Bibel und dem Gebet sind auch die Ziele, wie Paul Wick sie formuliert:

"Der Ruf zur Umkehr und zum Glauben an Jesus, die Stärkung der persönlichen Lebensgemeinschaft mit Jesus, die Gemeinschaft unter Schwestern und Brüdern und der Dienst in der Welt."

DIE CHRISTLICHE PFADFINDERSCHAFT

Die christliche Pfadfinderschaft 1921 ist ein Bund von jungen und älteren Menschen, die sich bewußt und öffentlich als Christen bekennen und im Rahmen ihres Glaubens und der Werte, die er vermittelt, ihren Weg im Leben suchen.

Dabei bedienen wir uns der pädagogisch wertvollen Erkenntnisse und Formen der Weltpfadfinderbewegung, die durch Lord Baden-Powell begründeet wurde und in fast allen Ländern der Erde in verschiedenen Formen besteht.

Um überschaubare Bereiche zu haben, in denen gemeinsames Tun möglich ist, haben wir das Bundesgebiet in Landesmarken unterteilt, wobei sich das Landesmarkthing eine Führung wählt, die für die Arbeit verantwortlich zeichnet.

Diese demokratische Form setzt sich auch in den kleinen Gliederungen fort: im Gau, der etwa einem öffentlichen Regierungsbezirk entspricht, im Stamm, der die Gliederung auf Gemeinde oder Ortsebene ist.

Unsere kleinste Gruppe ist die Sippe - 6 bis 8 Jungen oder Mädchen (bei den Wölflingen das Rudel).

Dieser Begriff weist auf die kleine, familienhafte Gemeinschaft hin,die wir anstreben, und die einen höheren Verbindlichkeitsanspruch stellt, größere Geborgenheit vermittelt, mehr Spielraum und mehr Aufmerksamkeit für den Einzelnen ermöglicht, als bei den üblichen Jugendgruppen.

Unser pädagogisches Konzept von Pfadfindersein: - in der Wölflingsstufe (8-12 Jahre) - im Pfadfinderalter (12 - 18 Jahre) - im Jungmannschaftsalter (18-25 Jahre) - und in der Älterenarbeit (ab 18 Jahre bis Lebensende) ist auch heute weitgehend geprägt durch spielerisches, praxisorientiertes Lernen in kleinen Gruppen, erfahren und entdecken durch Ausprobieren und Selbsttun.

Unsere Ständearbeit, das Pfadfindergesetz, das Pfadfinderversprechen und das Tragen einer gemeinsamen Tracht sind Grundlagen unserer Arbeit in der CP.

Unsere Arbeit geschieht im Rahmen von Gruppenstunden, Fahrt und Lager, Andacht, Gottesdienst, Bibelkreisen, musische Treffen, Schulungen und Kursen.

Die Präambel der Bundesordnung der Christlichen Pfadfinderschaft weist auf das Fundament dieses Bundes hin, da heißt es: "Der christliche Pfadfinder richtet sein Leben aus nach seinem Herrn Jesus Christus."

In Gönningen gibt es seit 1973 CP-Gruppen.

Gruppen von Jungen und Mädchen, die in dieser Ausrichtung miteinander leben und arbeiten wollen, seit Jahren auch eine Jungmannschaftsrunde, aus der heraus Führungsaufgaben wahrgenommen werden.

(R. Elsell)

DEN ZUSTAND DER HERZEN KENNT DER HERR ALLEIN

Was nach außen hin imposant erscheint, dünnt nach innen hin immer mehr aus.

Die allegemeine Tendenz, daß aus unserer Beteiligungskirche eine Betreuungskirche geworden ist, ist leider auch in Gönningen spürbar.

Um so dankbar sind wir für diejenigen, die am Gemeindeleben teilhaben nach dem Maß ihrer Gaben und dem Maß ihres Glaubens und so "lebendige Steine" im geistlichen Hause (1. Petrus 2,4) sind.

Am Ende soll eine Formulierung stehen, die sich seit 1771 in den Visitationsberichten findet:

"Den Zustand der Herzen kennt der Herr allein und untersteht sich Pastor nicht, die bekehrten mit Namen zu nennen. Bei manchen Seelen äußert sich der Segen göttlichen Worts durch Wachstum in der Erkenntnis, und erwünschte Verfassung bei manchen Sterbenden. Auch ist Ehrerbietung gegen und Verlangen nach Gottes Wort und denen H(eiligen) Sacramenten da."

(H. Gerstlauer)