Gemeindebrief 3/1999

Herbst


Symbol: Gönninger Kirche



In dieser Ausgabe:

Editorial ...
O stört sie nicht, die Feier der Natur ...
Aktion "Bäume der Hoffnung" ...
Einblick - Töpfergruppen ...
Umwelt-Tip Nr. 8 ...
Gesprächskreis ab Herbst 99 ...
Cassettendienst ...
Millennium-Angebote Herbst ...
Termine Sommer/Herbst ...
Rückblick mit Diakonin Ulrike Wössner ...
Ausbildungsvikar in unserer Gemeinde ...
Millennium-Ängste ...




Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Sonnenfinsternis liegt hinter uns - Gönningen wurde mal wieder von der Sonne verwöhnt und konnte sich in den entscheidenden Minuten an Corona & Co. erfreuen! Unser ökumenischer Gottesdienst auf dem Roßberg war sehr gut besucht, und für manche war es wirklich ein tiefgreifendes Erlebnis. Und manche wünschen sich, das mal wieder zu erleben. Zum Beispiel am 21. Juni 2001, da wäre es auf Madagaskar möglich. Madagaskar? Ja richtig, da steht in Ambohitsara das "Gönninger Brückle" und soviel ich weiß, steht der Termin bei unserem "Pontifex" (lat. Brückenbauer) Eberhard Haule schon im Kalender - behalten Sie’s doch auch mal im Hinterkopf ¼

Nach der Sonnenfinsternis beginnt die "Jahrtausendwende" ihre Schatten zu werfen: Auch wir können Ihnen im Oktober und November interessante Angebote machen, sich mit der Wendezeit, in der wir uns ja tatsächlich befinden, zu beschäftigen. Einen Überblick finden Sie weiter unten. Den Auftakt wird dabei die Aktion "Bäume der Hoffnung" bilden, über die wir Sie auf der übernächsten Seite informieren. Es wäre schön, wenn Sie sich daran beteiligen würden, gemeinsam Zeichen zu setzen!

Auch für Joachim Ruopp steht eine kleine "Wende" an: Seit 1. September ist er für zweieinhalb Jahre als Ausbildungsvikar in unserer Gemeinde tätig, Zeit des Übergangs in das Pfarrer-Dasein. Sie können ihn ein wenig kennen lernen in dieser Ausgabe in der Andacht und im Interview mit ihm.

Gute "Wendezeit" wünscht Ihnen

Ihr Redaktionsteam

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält,

Denn heute löst sich von den Zweigen nur,

was vor dem milden Strahl der Sonne fällt

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dieses berühmte Herbstgedicht von Friedrich Hebbel kam mir in den vergangenen Tagen öfters in den Sinn. Als Neuzugezogener merkt man ganz besonders, daß in Gönningen sich die Fülle der Natur einem förmlich aufdrängt. Zwischen den Waldhängen von Stöffelberg und Roßberg tun sich Gemüsegärten und Streuobstwiesen zu einer Feier zusammen. Das milde Spätsommerlicht und die vielen warmen Septembertage, die wir eben erlebt haben, tun ein übriges.

Es ist dies die Zeit des Erntedankes. Bunt geschmückte Altäre kommen uns in den Sinn, die fröhlichen Stimmen der Kindergartenkinder und vielleicht auch das, was vielen Christen heute im Zusammenhang mit der Natur besonders wichtig ist: die Bewahrung der Schöpfung. Eine gute Sache in dieser Richtung ist die Aktion "Bäume der Hoffnung - gemeinsam Zeichen setzen". Im letzten Gemeindebrief war davon schon zu lesen, und weiter hinten gibt‘s noch mehr dazu.

Unser Erntedank ist bisweilen eine recht offene, sichtbare und hörbare Angelegenheit. Ganz anders ist es in Hebbels Zeilen: dort ist die Natur allein für sich! Eifrige Pflücker und Körbe gibt es hier keine. Was aus diesem natürlichen Kreislauf kommt, geht auch wieder dahin zurück. Ein sehr leises, aber um so intensiveres Fest wird hier gefeiert. Hier würden wir nur stören.

Was die Natur kann, fällt uns oft gar nicht so leicht: Feiern! Feiern heißt Nichts-Tun, einmal einen Schritt zurück tun und das betrachten, was wir wie selbstverständlich immer in Anspruch nehmen und was doch auch eine Gabe ist. Daß Friedrich Hebbel uns dabei an die Hand nehmen kann, finde ich schön. Vielleicht hören wir damit die regelmäßige Bitte um das tägliche Brot aus dem Vaterunser wieder neu? Wenn nicht mit unserem Herbstgedicht, dann ganz gewiß mit den Worten, die uns als Grund unseres Daseins gewiß sind: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (1. Mose 8,22).

Daß dieser Vers aus der Heiligen Schrift ganz gewiß nicht dazu führt, daß wir die Hände in den Schoß legen und die Augen verschließen, sondern daß es uns in einem wohlverstandenen Sinn zum Feiern anleitet, das meint Ihr neuer Vikar

Joachim Ruopp,

der sich auf viele Begegnungen freut!

Aktion "Bäume der Hoffnung" - gemeinsam Zeichen setzen

Machen Sie mit!


"Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!" - Sie kennen sicherlich diesen Martin Luther zugeschriebenen Ausspruch. Wir sind uns zwar ziemlich sicher, daß die Welt "morgen" nicht untergeht - trotzdem wollen wir im Rahmen unseres Reformationsfestes am 31. Oktober bei einer bundesweiten Aktion mitmachen und Obstbäumchen pflanzen: "Bäume der Hoffnung - gemeinsam Zeichen setzen"! Als Zeichen des Dankes gegenüber dem Schöpfer des Lebens und aller Dinge; als Zeichen für den Willen und den Mut zur Zukunft.

Machen Sie mit!

EMail für Ihre Anmeldung!
 

Die Aktion wird unter der fachkundigen Begleitung des Teams vom "Grünen Tal" unter Leitung von Dipl.-Biologe Bernhard Ziegler durchgeführt. Infos im Pfarramt unter Tel. 2365!

Drei Obstbäume werden uns zwischen Erntedank (10. Oktober) und dem Reformationsfest am 31. Oktober in unseren Gottesdiensten begleiten. Der Gottesdienst am Reformationsfest (9.30 Uhr) wird natürlich auch ganz unter diesem Motto stehen und damit auch unsere Veranstaltungen zur "Jahrtausend-Wende" eröffnen (siehe Seite 8).

Über die ökologische Bedeutung der Gönninger Streuobstwiesen informiert Bernhard Ziegler in seinen Zeilen für unseren Gemeindebrief:

"Auch in Gönningen hat der Streuobstanbau eine Jahrhunderte alte Tradition. Damals wurden die Bäume gürtelförmig um die Dörfer herum angelegt. Während die Wiesen als Viehweiden oder zur Gewinnung von Grünfutter genutzt wurden, diente das Obst der Bevölkerung als Nahrung.

Mit dem Niedergang der kleinbäuerlichen Landwirtschaft verloren jedoch die Streuobstwiesen ihre Bedeutung. So wurden in Gönningen im Zuge der Flurbereinigungsverfahren einige Obstbäume gefällt. Hinzu kommt, daß mit der Ausweisung neuer Baugebiete und mit dem Bau neuer Straßen in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Streuobstwiesen zerstört wurden.

Gleichzeitig änderte sich in den letzten Jahrzehnten das Konsumverhalten in der Bevölkerung. So kaufen heute zahlreiche Menschen lieber makelloses Obst und deren Produkte lieber im Supermarkt, als dieses selbst zu ernten und zu verwerten.

Glücklicherweise zeichnet sich hier im Rahmen der Lebensmittelskandale und dem daraus erwachsenden Verbraucherbewußtseins ein entsprechender Gegentrend (hin zum eigenen Obst) ab.

Da die Streuobstwiesen zusätzlich noch einen hohen Erholungswert haben und außerdem zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen, sollten diese Lebensräume unbedingt erhalten werden.

Die Erhaltung dieser von Menschenhand geschaffenen Lebensräume bedarf jedoch einer ständigen Pflege. So müssen die Wiesen ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, damit sie nicht verbuschen. Außerdem sollten die Bäume zur langfristigen Ertragshaltung regelmäßig geschnitten werden.

Da einige Gönninger Streuobstwiesen in einem sehr schlechten Zustand sind, hat das Kinderumweltprojekt "Grünes Tal" im vergangenen Jahr mit der Pflege einiger städtischer Grundstücke begonnen. Diese Arbeit wird in diesem Jahr fortgesetzt und erstmalig auch auf private Grundstücke ausgedehnt."

Unter allen, die sich an der Aktion "Bäume der Hoffnung" beteiligen, verlosen wir zwei Exemplare der Buches "Naturerlebnis Streuobstwiese"!

Dietmar Nill (Fotos)/Bernhard Ziegler (Text): Naturerlebnis Streuobstwiese,


Mössingen 1998, ISBN 3-933650-00-3, DM 36,80; Bezugsadresse: Vogelschutzzentrum Mössingen, Tel. (07473) 1022, Fax 21181, und natürlich bei Schreibwaren-Preisendanz!

Die fundierten Texte des Diplom-Biologen Bernhard Ziegler aus Gönningen, Leiter des Vogelschutzzentums in Mössingen und unseres Kinderumweltprojektes "Grünes Tal", vertiefen die Ausführungen, die Sie gerade gelesen haben. Ergänzt werden seine Ausführungen von beeindruckenden Bildern des Foto-Profis Dietmar Nill.

"Einblick" – unsere Töpfergruppen

"Töpfern nach Lust und Laune" macht Ihnen Ulrike Gerstlauer schmackhaft

Vielleicht kennen Sie ja unsere beiden Töpfergruppen schon - aber bestimmt doch deren Produkte von einem der vielen Bazare (an Weihnachten oder Ostern), die wir mitgestaltet haben.

Wir, das sind im Moment etwa 30 Frauen aller Altersgruppen, die Freude am Töpfern und gemeinsamen Arbeiten und "Schwätzen" haben.

Wir treffen uns dienstags alle 14 Tage (jeder kommt, wann er Zeit und Lust hat!) im evangelischen Gemeindehaus im Untergeschoß; eine Gruppe nachmittags von 15.30 bis 17.30 Uhr (hier sind oft auch Kinder mit ihren Müttern dabei), die andere Gruppe abends von 20 bis 22 Uhr.

Wir töpfern nach Lust und Laune ohne Scheibe, aber mit vielen Ideen vom Igel, Huhn oder Hasen über Blumentöpfe, Schüsseln, Vasen, Becher und Kannen bis hin zum Weihnachts-, Oster-, Fenster- oder Gartenschmuck.

Im Gemeindehaus steht auch unser Brennofen, und hier lagern wir das Material vom Ton bis zu den Glasuren.

Jeder Mann und jede Frau ist uns herzlich willkommen! Wir bieten eine nette Atmosphäre, aber keinen Töpferkurs. Anfänger bekommen gerne tatkräftige Hilfe und Anleitungen, aber sonst töpfert, bemalt oder glasiert jede, was und wie es ihr Spaß macht. Unkosten entstehen nur durch das Material und das Brennen (auf Selbstkostenbasis).

Wenn Sie sich näher für die Arbeit der Töpfergruppen interessieren, rufen Sie mich doch einmal an, Tel. 912 595.

Ihre

Ulrike Gerstlauer

Unser Umwelt–Tip (Nr. 8) - "Wußten Sie, daß ¼ "

von Konrad Wagner

"¼ desinfizierende Mittel im normalen Haushalt überflüssig sind. Ein saurer Allzweckreiniger, etwas häufigeres Reinigen besonders schnell verschmutzender Teile und Scheuermilch reichen meist aus."

Dieser Tip stammt aus dem "Handbuch für den umweltbewußten Haushalt: Umweltbewußt leben", kostenlos zu erhalten beim Umweltbundesamt, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, oder bestellen Sie doch einfach über die Internet-Seite http://www.umweltbundesamt.de/uba-info/d-ssu.htm - viele hundert Tips für alle Lagen des Lebens erwarten Sie!

 

Gesprächskreis im Pfarrhaus

Eine neue Runde ab Donnerstag, 14. Oktober

In diesen Tagen startet eine neue Runde des Gesprächskreises bis etwa April 2000 (vierzehntägig, donnerstags). Neben Informationen über die Schriften des Neuen Testamentes bestimmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Themen selbst. Nähere Informationen bei Hanna Sülzle, Tel. 3893, oder Ehepaar Behrend, Tel. 2365. Sie können auch jetzt noch dazustoßen!

Cassettendienst startet in unserer Gemeinde

In diesen Tagen nimmt der Cassettendienst unserer Gemeinde für etwa zehn Interessentinnen und Interessenten seine Arbeit auf. Etwa vierzehntätgig können auch Sie sich eine Hörcassette aus der Gönninger Kirche zustellen lassen. Bitte überlegen Sie sich, ob Sie diesen kostenlosen Dienst in Anspruch nehmen möchten oder ob Sie jemand kennen, den Sie darauf ansprechen können, und geben Sie uns Bescheid: Ev. Pfarramt, Tel. 2365; Elke Grimm, Tel. 6677.

Unsere "Millennium-Angebote" für Sie im Oktober und November

Gottesdienst am Reformationsfest

Aktion "Bäume der Hoffnung" in Zusammenarbeit m. d. "Grünes Tal-Team"

Sonntag, 31. Oktober 1999 - 9.30 Uhr - ev. Kirche

Auf der Schwelle zum kommenden Jahrtausend -

ein Ausblick mit biografischen Erinnerungen

Manfred Rommel, Stuttgart, Oberbürgermeister i.R.

Montag, 8. November 1999 - 20 Uhr - Alber-Haus RT (Lederstraße)

"Jüngste Tage" - Enderfahrungen in der Gegenwart

Prof. Dr. Michael N. Ebertz, Soziologe an der FH Freiburg i. B.

Samstag, 13. November 1999 - 20 Uhr - Alber-Haus RT (Lederstraße)

"Galerie-Kneipe" - junge Jahre im "Dritten Reich"

Ein musikalisch-literarischer Nachmittag über eine deutsche "Wendezeit"

Dankwart-Paul Zeller, Tübingen, im Rahmen des Kaffeestündles

am Donnerstag, 18. November 1999 - 14.30 Uhr - ev. Gemeindehaus

Mit Schampus in den Untergang?

Warum der Jahrtausendwechsel Endzeitgefühle weckt ¼

Marcus Mockler, Journalist, St. Johann

Freitag, 19. November 1999 - 20 Uhr - ev. Gemeindehaus

"Meine Hoffnung" - Talk-Abend

mit prominenten Gästen der Region

Montag, 22. November 1999 - 20 Uhr - Alber-Haus RT (Lederstraße)

"Zukunft der Arbeit" - Von der Arbeits- zur Tätigkeitsgesellschaft

Prof. Dr. Hans Ruh, Schweiz, Stiftung für angewandte Ethik

Montag, 29. November 1999 - 20 Uhr - Alber-Haus RT (Lederstraße)

Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen ist frei.

Die Veranstaltungen im Alber-Haus werden gemeinsam mit der Gesamtkirchengemeinde

Reutlingen und dem "Haus der Familie" (Reutlingen) durchgeführt.

 

weitere Termine – Treffs - Kontakte

Oktober
So 17.

9.30

Kirche

Vorstellungs-Gottesdienst mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden

Do 21.

14.30

Gem.haus

Kaffeestündle m. d."Bronnweiler Weibern"

Fr 22.

19.00

Gem.haus

Kirchengemeinderat-Sitzung (nichtöffentl.)

So 24.

9.30

Kirche

Gottesdienst mit Taufen

Fr 29.

20.00

Gem.haus

"Peru - Leben auf 4000 Metern" -
ein Dia- und Lebensbericht

So 31.

9.30

Kirche

Gottesdienst am Reformationsfest mit
Aktion "Bäume der Hoffnung"

November Do 4.

   

Treffen der "Jüngeren Senioren"

So 7.

9.30

Kirche

Gottesdienst mit Taufe

So 14.

9.30

Kirche

Gottesdienst (Vorletzter So. i. Kirchenjahr)

Mi 17.

20.00

ev.u.kath. Kirche

Ökumenischer Gottesdienst
am Buß- und Bettag

Do 18.

14.30

Gem.haus

Kaffeestündle mit Dankwart-Paul Zeller (s. Ankündigung gegenüberliegende Seite)

So 21.

9.30

Kirche

Gottesdienst am Totensonntag; anschl. örtliche Feier des Volkstrauertages

Fr 26.

20.00

Gem.haus

Kirchengemeinderat-Sitzung

So 28.

9.30

Kirche

Gottesdienst am Ersten Advent, gestaltet vom Jugendtreff (Konfirmand/innen 98)

Dezember
Do 2.

   

Adventstreffen der "Jüngeren Senioren"

Sa 4.

nachmittags

-

Adventssingen der Konfirmandinnen und Konfirmanden

So 5.

9.30

Kirche

Gottesdienst am Zweiten Advent

So 5.

17.00

Kirche

Adventssingen mit dem Kirchenchor

So 12.

9.30

Kirche

Gottesdienst am Dritten Advent

Do 16.

14.30

Gem.haus

"Gönninger Seniorennachmittag" mit dem Schülerchor der Roßbergschule und einer Video-Dokumentation über den Künstler des Samenhändlerdenkmals in der Kirche

"Rückblick" – mit Diakonin Ulrike Wössner

spricht Dietrich Birkenhofer

Ulrike Wössner - sie ist inzwischen verheiratet und heißt nun Ulrike Bötcher - wohnte von 1980 bis 1998 in Gönningen. Sie erhielt eine Ausbildung in Gönningen als Zahnarzthelferin und arbeitete dann auch einige Jahre in diesem Beruf. In unserer Kirchengemeinde engagierte sie sich im Bereich Jugendarbeit.

Warum hast du dich später zur Diakonin ausbilden lassen?

Durch die Jugendarbeit in der Gönninger Gemeinde war ich fast täglich im Gemeindehaus. Dort machte mir die Arbeit mit jungen Menschen großen Spaß. So reifte allmählich der Entschluß, mich als Diakonin ausbilden zu lassen, allerdings mit dem Schwerpunkt der Gemeindediakonie. Im Laufe meiner Ausbildung änderte ich das dann aber.

Ist Diakonie (noch) zeitgemäß?

Diakonie ist absolut zeitgemäß. Diakonie ist gelebte Kirche. Die Diakonie versucht gerade heute, die Theologie und die Sozialarbeit miteinander zu verknüpfen und praktisch umzusetzen.

In welcher Gemeinde arbeitest du heute?

Ich arbeite nicht in einer Gemeinde sondern in einem Wohnheim für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Träger ist das Diakoniewerk Karlshöhe, eine kirchliche Stiftung.

Erzähle uns mehr über deine Tätigkeit dort!

Ich arbeite nicht allein, sondern betreue zusammen mit zwei Heilerziehungspflegern, einem Zivildienstleistenden und einer diakonischen Helferin eine Gruppe von zwölf Heimbewohnern. Von diesen sind sechs mehrfach behindert, die anderen können in einer Behindertenwerkstatt arbeiten. Ich selbst betreue sie nur morgens und abends, pflege sie oder bespreche Alltagsprobleme mit ihnen. In der Zwischenzeit, wenn sie also nicht im Heim sind, bewältige ich andere Aufgaben im Haus oder für das Haus oder gehe auch mal mit jemandem zum Arzt.

Was macht dir am meisten Spaß?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem Schlagwort beantworten, aber viel Spaß machen mir zum Beispiel die Planung und Durchführung von Ausflügen oder Freizeiten.

Kannst du deinen Zweitberuf jungen Menschen empfehlen?

Ja, aber gewisse Anlagen sollte der angehende Diakon oder die Diakonin schon mitbringen.

Welche menschlichen Voraussetzungen sollte man mitbringen oder welche Fähigkeiten wären besonders günstig oder hilfreich?

Man muß die Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, wirklich annehmen und ihnen Liebe geben können. Viele Menschen haben Angst vor Behinderten, aber - das mag nun einfach klingen - die Angst muss man einfach mal überwinden und den Mut haben, auf solche Menschen zuzugehen. Man wird feststellen: Diese Menschen sind in vielem gleich wie wir.

Dein Ehemann ist ebenfalls Diakon. Wird da möglicherweise viel über eure Tätigkeit gesprochen?

Wir arbeiten in unterschiedlichen Bereichen und so besprechen und beraten wir uns oft gegenseitig.

Ulrike würdest du mal im Kaffeestündle unseren älteren Gemeindeglieder mehr über dich und deine Tätigkeit berichten?

Ja, gerne, aber aus persönlichen Gründen wird dies nicht vor Herbst 2000 möglich sein. Vielleicht wird mich dann einer der Heimbewohner begleiten..

"Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben"

Ausstellung Jugend-KZ 7.-13. November

Daß es im nationalsozialistischen Deutschland besondere Konzentrationslager nur für Jugendliche gab, ist weitgehend unbekannt. Fast 3000 junge Leute waren dort zwischen 1940 und 1945. Manche kamen nur ins KZ, weil sie Jazzmusik gehört hatten. SS-Terror, Zwangsarbeit und kriminalbiologische Aus-sonderung waren an der Tagesordnung. Eine Ausstellung dazu wird im "Haus der Jugend", Museumstr. 7 in Reutlingen, am Sonntag, 7. November, um 10.00 Uhr in einem Jugendgottesdienst mit anschließendem Einführungsvortrag eröffnet. Sie ist zu sehen bis Samstag, 13.November (Öffnungszeiten: Mo-Fr 15-18; außerdem Di 15-18, Do 18-20 und So 15-18 Uhr). Über das vielseitige Rahmenprogramm informieren Presse und Mitteilungsblatt! Ausführliches Programm und Rückfragen: Ev. Jugendpfarramt, Pfr. Dr. Winfried Dalferth, Tel. (07121) 13 24 34, Fax 929 626, EMail: Winfried.Dalferth@t-online.de.

Ein "FAZ"-Interview mit Joachim Ruopp

Schlaglichter auf den neuen Vikar

Vielleicht kennen Sie den berühmten Fragebogen aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) - wir haben uns daran angelehnt und den neuen Vikar, Joachim Ruopp, befragt.

Haben Sie ein Vorbild?

Die, die mir einfallen, wage ich nicht zu nennen: das wäre vermessen. Doch vermessen ist wohl auch, kein Vorbild zu haben.

Welche besonderen Eigenschaften würden Sie gerne besitzen?

Verständnis und Einsicht unabhängig von der Tagesform.

Welcher Traum sollte mal für Sie in Erfüllung gehen?

Nicht nur für mich: das Ende von Krieg als Mittel der Politik.

Ihre Lieblingsbeschäftigung (wenn Sie viel Zeit haben)?

Musik: Oboe spielen, Orchester, Kammermusik ¼

Wie heißt Ihr Konfirmationsspruch?

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mit geholfen
(Jeremia 17,14).

Ihr Lieblingstier?

Das Nilpferd (lesen Sie mal Hiob 40 ¼ ).

Ihre Lieblingsblume?

Die Rose.

Ihre Lieblingsfarbe?

Rot, insbesondere in Gläsern.

Welche Musikart lieben Sie besonders?

Die sogenannte klassische - freilich ganz ohne Berührungsängste.

Lieblingskomponist?

Spätestens jetzt muß ich zwei nennen, die beiden Johannes: Bach und Brahms.

Lieblingsschriftsteller?

Paulus: doch der bezeichnet sich als Apostel. Und den vor kurzem hoch dekorierten Siegfried Lenz.

Lieblingssportart?

Radsport -- leider nur passiv.

Lieblingssportler?

Der Zehnkämpfer Frank Busemann.

Lieblingskirchenlied?

Seit Kindertagen: "Die güldne Sonne" (EG 449). Aber auch neue Lieder, etwa: "Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt" (EG 611). Und EG 397. Und ¼

Lieblingspsalm?

Als Freund der Musik natürlich Psalm 98: Singet dem Herrn ein neues Lied. Gefangen nimmt mich aber auch das sprachgewaltige "Dennoch" von Psalm 73.

Welches kirchliche Bauwerk bewundern Sie am meisten?

Bewundern muß man wohl Kathedralen. Wunderschön finde ich allerdings den Kreuzgang des Brixner Doms (Südtirol), St. Trophime in Arles, die Mosaiken von Madaba (Jordanien) und ¼

Welche menschliche Errungenschaft halten Sie für überflüssig?

Schwer zu sagen: mit der Ambivalenz des Fortschritts müssen wir umgehen (lernen). Wirklich überflüssig sind allerdings elektrische Fensterheber.

Welche Errungenschaft der Menschheit halten Sie für die wichtigste?

Das Rad natürlich!

Welches Elend auf der Welt würden Sie sofort abschaffen?

Mangel an medizinischer Versorgung und Mangel an Bildung.

Welche Stunde am Tag ist Ihnen die liebste?

Eigentlich sind mir alle gleich lieb: die einen horizontal, die anderen vertikal.

Ihr augenblickliches Lebensmotto?

Sind das aber schwierige Fragen, die man als Vikar gestellt bekommt!

Welche Frage haben Sie vermißt?

Die nach meiner Lieblingsfrau: Sie heißt Susanne Ruopp-Littmann und unterrichtet an einem Reutlinger Gymnasium als Musiklehrerin.

Vikar Jochim Ruopp wohnt Im Ländle 40 (neben der katholischen St. Michael-Kirche ¼ ); Tel. (07072) 922038, Fax (07072) 922037, EMail VikariatGoenningen@gmx.de. Bis Mitte Dezember ist er vor allem im Rahmen seiner schulischen Fortbildung tätig: an einer Reutlinger Schule und auf Kursen in Stuttgart-Birkach.

"Millennium-Ängste ¼ "

Wenn am 1. Januar 2000 alle Computer ausfallen: Wer wird dann für den Sonnenaufgang sorgen? Und wer schaltet die Schwerkraft ein? Und wer wird verhindern, daß die Sterne zusammenstoßen?

Christus spricht:

"Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

(Jahreslosung 1999)