Gemeindebrief 3/1997

Herbst


Symbol: Gönninger Kirche



In dieser Ausgabe:

Herbstgedanken
Einblick - der Kirchenchor ...
Rückblick - Ex-Gemeindeschwester Erika Weber ...
Kinderbibelwoche ...
Theologische Information: Jesus und die Kinder ..
Änderung des Kirchensteuer-Gesetzes ...
Schwäbischer Gottesdienst ...
Ökologie in der Kirchengemeinde ...
Carl Orffs Weihnachtsgeschichte ...
Was ist denn hier los ...
Zuguterletzt: Das Vaterunser auf Schwäbisch ...




Herbst-Gedanken

"Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde …"


Liebe Leserin, lieber Leser!
ein herber Wein hat ebenso wie ein solcher Mensch etwas Ehrliches an sich. "Dolce vita" - "süßes Leben" mag uns lieber sein; aber auch die herbe Geschmacksnote gehört auf die Zunge, auch das Herbe gehört zum Leben.
Auch der Herbst hat etwas Herbes an sich: kalte Nächte trotz sonniger Tage, fallende Blätter von den bunten Laubbäumen.
Und manchem von Ihnen kriecht der feuchte Herbst in die Knochen - anderen nocht tiefer: in die Seele. Herbst ist es, wenn man das Jahr sterben sieht - oder wenn man spürt, daß das eigene Leben den Zenit überschritten hat - oder wenn man sich mit Grausen abwendet, weil Politiker nur noch das Wahljahr 98 im Kopf haben, aber keine echten Anstrengungen für ein "Frühlingserwachen"; ein deutscher Herbst …
Liebe Leserin, lieber Leser! "Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde …" - so werden wir es am Ende des Kirchenjahres in einigen Wochen aus der Bibel lesen. Mitten im Herbst Frühlingsgefühle - weil Gott eingreift; und was er für das Ende der Zeiten verspricht, geschieht da und dort schon heute. Wo einer nicht mehr nur die herben Seiten des Lebens sieht, sondern zum Erntedank kommt - zum Dank für das, was ihm im Leben geschenkt und ermöglicht wurde. Oder wo einer einem anderen ein klein bißchen Mutter Teresa wird - ohne laute Töne, dafür mit einem weichen Herzen. Oder wo einer die Selbstachtung behält, auch wenn er an die Leistungsgrenzen stößt - oder gar seinen Arbeitsplatz verloren hat.
Ohne die Hoffnung auf Frühling ist der Herbst nicht auszuhalten - die Farbenpracht des vergehenden Laubes erinnert daran. "Ein neuer Himmel und eine neue Erde …" - weil Gott eingreift: in Ihrem Leben, in unserer Zeit, unserem Land, unserer Welt? Nur fromme Frühlingsgefühle? Wem, außer Gott, sollte man den Frühling noch zutrauen? Und vielleicht Menschen, denen es nicht nur um "dolce vita" geht, sondern die sich trauen, ehrlich zu sein - Wähler und Politiker, "normale" Christen und Pfarrer …
Einen schönen Herbst und ein paar Frühlingsgefühle wünscht Ihnen Ihr
Pfr. Alexander Behrend,

"Einblick" - Der Kirchenchor unserer Gemeinde:

Atem holen - atemholen - Atemholen


Atem holen - atemholen - Atemholen: Gibt es diese drei Schreibweisen? Sind alle drei richtig? Lassen wir's dahingestellt; so wichtig ist die Schreibweise nicht. Aber lebenswichtig für uns alle ist, daß wir Atem holen müssen - und dies normalerweise auch ganz selbstverständlich und unbewußt tun. Doch es gibt gar nicht so wenige Gelegenheiten, da muß einem das Atemholen bewußt werden; zum Beispiel beim Singen. Und wir, das sind jetzt im folgenden die Leute vom Evangelischen Kirchenchor Gönningen.
In erster Linie singen wir im Gottesdienst, zwar nicht in jedem, aber regelmäßig. Wir sehen es als Auftrag an, im Gottesdienst das Wort musikalisch zu verkündigen. Außerdem möchten wir das Kulturgut Kirchenmusik lebendig erhalten, pflegen und nahebringen. Und das nicht nur mit sogenannter "alter, klassischer" Kirchenmusik; auch die neuzeitliche und in der Gegenwart entstandene Kirchenmusik ist es wert, vorgestellt, nähergebracht und verständlich gemacht zu werden. Das neue Evangelische Gesangbuch bietet dazu viele Möglichkeiten.
Mit der Vorbereitung und Ausführung des Chordienstes zu sonntäglich Gottesdiensten und jährlichen Konzertaufführungen ist die Arbeit des Chors jedoch nicht erschöpft. Wir singen bei mancherlei geselligen Anlässen auch weltliche Chorliteratur. Einmal im Jahr treffen wir uns auswärts zu einem Probenwochenende. Dabei genießen wir in der probenfreien Zeit die "selbstgestrickten" Aktivitäten, die der eine und die andere in den Koffer gepackt und mitgebracht haben, und vor allem genießen wir die freundlich dargebotenen gastronomischen Dienstleistungen, überhaupt das ganze Ambiente am "Arbeitsplatz" und drum herum. Probenfrei ist die Zeit der Schulferien. Zum letzten Probenabend vor den großen Ferien bestellen wir uns eine trockene und laue Sommernacht, atmen tief auf und feiern im Garten einer Chorschwester oder unterm Dach bei einem Chorbruder - wenn sich die Sommernacht nicht wie bestellt präsentiert. Doch egal ob Probenarbeit, Aufführung oder geselliges Beisammensein, immer ist damit ein gemeinschaftsbildendes Erlebnis verbunden.
Gegenwärtig steht auf dem Probenprogramm eine Messe von J. G. Rheinberger (1839-1901). Mancher wird sich fragen, wie ein evangelischer Kirchenchor eine katholische Messe singen kann. Wir haben damit keine Probleme. Wir möchten auch andere Glaubensrichtungen verstehen und sind dem ökumenischen Gedanken gegenüber aufgeschlossen.
Erna Kautter leitet den Chor seit 30 Jahren; sie hat ihn 1967 nach einer kurzen Unterbrechungszeit übernommen. Wenn er vollzählig ist, besteht der Chor aus 32 Sängerinnen und Sängern - 22 Frauen- und 10 Männerstimmen.
Neben unserem Dauerwunsch nach Chornachwuchs wollen wir anläßlich der Proben zu der Rheinberger-Messe ein Angebot machen: Wer möchte bei uns mal reinschnuppern mit dem Vorbehalt seinerseits, zunächst nur bis zur Aufführung der Messe mitzuwirken? Musikalische Vorkenntnisse sind dabei nicht Voraussetzung. Und für Neu-Gönninger bietet sich hier sicher eine gute Möglichkeit, mit der Gemeinde Kontakt zu bekommen. Möchten Sie einen Ansprechpartner aus dem Chor, der Sie dann auch begleiten kann durch das "Abenteuer", auf das Sie sich eingelassen haben? Halten Sie sich wöchentlich den Mittwochabend frei! Wir proben im Gemeindehaus von 20.15 bis gegen 22.00 Uhr - und freuen uns, wenn Sie auch dabei sind.
Ihr Evangelischer Kirchenchor Gönningen
Als Ansprechpartner bieten sich an:
Hedi Markert, Tel. 3655
Siegfried Eppler, Tel. 7239
Hanna Sülzle, Tel. 3893
Eckhart Liebmann, Tel. 7193

"Rückblick" - Was macht eigentlich Schwester Erika Weber?

Dietrich Birkenhofer fragt nach


Schwester Erika, Sie waren von 1967 bis 1984, also 17 Jahre lang Gemeindeschwester in Gönningen. Wo leben Sie jetzt und wie geht es Ihnen?
Ich lebe seit meinem Abschied von Gönningen im Evangelischen Diakoniewerk Schwäbisch Hall, kurz Diak genannt. Zuerst wohnte ich 6 Jahre lang in einem kleinen Frauenheim, dessen Hausmutter ich war. Jetzt wohne ich im Feierabendhaus in einer Gruppe von alt gewordenen Schwestern. Von hier aus machte ich noch 12 Jahre lang Dienst an der Mutterhauspforte. Jetzt bin ich noch einen Tag in der Woche in der Wäscheverteilung beschäftigt. Es ist schön, daß wir uns auch nach dem aktiven Dienst noch da und dort im Bereich des Mutterhauses nützlich machen können. Gesundheitlich geht es mir dem Alter entsprechend gut.
Warum zogen Sie sich ins Mutterhaus zurück? Warum blieben Sie nicht in Gönningen?
Das Mutterhaus ist meine Heimat. Hier wurde ich ausgebildet, ausgesandt, versorgt in gesunden und kranken Tagen und von unserer Schwesterngemeinschaft mitgetragen. Zum anderen wollte ich meiner Nachfolgerin nicht im Weg stehen.
Womit beschäftigen Sie sich heute besonders gerne?
Ich pflege gerne Kontakt mit Menschen, wie z. B. beim Dienst an der Pforte. Ich lese gern, freue mich an Gottes wunderbarer Schöpfung, reise gern, soweit die Kräfte reichen. Etwas vom Schönsten - Zeit haben. Zeit haben für Menschen, vor allem auch für Gott und sein Wort. Dabei ist mir eine große Hilfe unser geistlicher Rhythmus mit gemeinsamer Morgenandacht, Mittagsgebet und Abendandacht in der Kirche.
Man sagte mir, Sie waren nicht nur Schwester sondern im weitesten Sinne auch Seelsorgerin, stimmt das?
Ich habe es versucht. Es geht ja immer um den ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist.
Woher schöpften Sie die Kraft, mit alten oder kranken Menschen umzugehen?
Die Kraftquellen sind der Umgang mit Gottes Wort und das Gebet.
In Ihrem Leben haben Sie durch Ihre Arbeit auf Vieles verzichtet. Empfinden Sie das auch so?
Nein, im Gegenteil. Ein solcher Dienst bereichert: Andern Freude machen, ihnen helfen und dienstbar sein bringt wieder Freude.
Mit welcher Begründung können Sie gerade heute jungen Frauen den Beruf der Gemeindeschwester oder Diakonisse empfehlen?
Eben aus diesen genannten Gründen. Letztlich ist ein solcher Dienst, der einen Menschen ganz ausfüllt und ihn befriedigt und froh macht, eine Antwort auf Jesu Liebe und Opfer. Dabei geht es nicht ohne Anfechtung und auch Niederlagen. Der Feind ist immer am Werk und will uns zu Fall bringen. Aber Gottes Gnade ist mächtiger.
Man sieht Sie immer wieder in Gönningen. Welche Anlässe führen Sie zu uns zurück?
Gönningen ist ein Stück meines Lebens: liebe Freunde, Gemeindeglieder, die ich begleiten durfte, die Gönninger Kirche und der Friedhof. Gönningen wurde mir zur zweiten Heimat. Ich lese auch immer gern den Gemeindebrief, wenn er bei mir ankommt, und zwar von A bis Z! Ich lese ihn mit Spannung und Neugier und bin erstaunt, was sich in der Gönninger Kirchengemeinde alles tut. Ja ich freue mich, daß ich an all dem Ergehen der Gemeinde teilnehmen darf. Es ist mir auch ein Herzensanliegen, in der Fürbitte hinter ihr zu stehen, besonders den alten und kranken Gemeindegliedern zu gedenken.
Im letzten Gemeindebrief sind eine ganze Reihe lieber Gemeindeglieder aufgezählt, die abgerufen wurden, fast alle habe ich gekannt. Ein jedes hatte seine Geschichte und nimmt sie mit: Freud und Leid, Frohsinn und Trauer. Doch das Leben geht weiter bis auch wir zum Ziel kommen, zu sehen, was wir geglaubt haben.
Abschließend noch eine ganz andere Frage: Was ist eigentlich aus Ihrem knallroten VW-Käfer geworden, der Sie so treu durch Gönningen chauffierte?
Das würde mich auch interessieren, anscheinend war der Käfer nicht mehr fahrtüchtig.

KinderBibelWoche 97

"Ruth, wo gehst du hin?"
Eine erlebnisreiche Woche im September - Ingrid Edenhuizen berichtet


In der Woche vor Schulbeginn haben wir - fast zwanzig Mitarbeiterinnen - wieder eine Kinderbibelwoche angeboten. Jeder Tag begann mit einem Morgen-Lied und einem Psalm-Gebet sowie einem kleinen Theaterstück, das die biblische Geschichte von Ruth erzählte. Dann ging es in Gruppen weiter: Wir bemalten eine Tasche, vertieften die Geschichte, machten Spiele, und eine Gruppe gestaltete jeweils ein passendes Bild zu der Geschichte. Natürlich gab es auch immer etwas zu essen. Jeden Tag bekamen die Kinder etwas für ihre Tasche. Am ersten Tag war es eine Landkarte zur Geschichte. Die Gruppen kamen wieder zum Singen zusammen; und als Abschluß war Sepp Kehl von der Donauschwäbischen Landsmannschaft eingeladen. Er erzählte uns, wie es so ist, wenn man seine Heimat verlassen muß. Ein Segens-Lied beendete jeweils den Tag.
Am nächsten Tag drehte sich alles um die Getreideernte, bei der Ruth ihren zukünftigen Mann kennenlernte: ein Körnerbild wurde gebastelt, es gab Körner-Müsli, und Elisabeth Brändle vom Birkenhof führte uns vor, wie man früher auf den Feldern gearbeitet hat. Das war für alle sehr interessant.
Am dritten Tag wurden mit großer Begeisterung Freundschaftsbänder geknüpft. Der krönende Abschluß war, daß eine kleine Abordnung des Gospelchores mit den Kindern sang - allen hat es sehr viel Freude gemacht.
Am letzten Tag stand das traditionelle Dorfspiel auf dem Programm, bei dem verschiedene Aufgaben gelöst werden mußten und einige Belohnungen warteten - z. B. bei Frau Preisendanz im "Lädle". Für die Tasche bekam jedes Kind einen schönen Becher, der beim Abschluß-Essen (Grillwürste!) benutzt wurde. Ein Boogie-Woogie lud zum Tanzen ein, und mit viel Begeisterung und Spaß endete unsere Bibelwoche. Am Sonntag waren dann nochmals alle zum Familiengottesdienst eingeladen.
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht mit den Kindern und den anderen Mitarbeitern. Die fast zwanzig Mitarbeiter konnten sich aufeinander verlassen, und es war eine gute Zusammenarbeit. In diesen Tagen hat uns viel Gemeinsames verbunden. Ich denke, daß jeder etwas mitgenommen hat, das für ihn gerade wichtig ist - und wenn es "nur" das Zusammengehörigkeitsgefühl war, das wir erlebten. Gott wird noch weiterwirken, was wir weitergeben wollten. Schade war nur, daß weniger Kinder dabei waren als letztes Mal. Vielleicht macht dieser Bericht Mut und Lust, das nächste Mal zu kommen …

Theologische Information: Jesus und die Kinder -

ein besonderes Verhältnis
von Christof Warnke


Fünf der Wunder, die die Evangelien von ihm berichten, vollbringt Jesus an Kindern: Er erweckt die zwölfjährige Tochter des Jairus aus dem Tod; er erlöst die Tochter einer Griechin von einem "unreinen Geist"; er befreit einen Jungen, der ein Anfallsleiden hat, von einem "sprachlosen Geist"; einer Witwe gibt er den einzigen Sohn, der gestorben war, wieder lebend zurück, und er heilt den todkranken Sohn eines Mannes, der im Dienst des Königs steht. Auffällig ist, daß von diesen fünf Wundern an Kindern zwei Auferweckungen vom Tode sind. Die Auferweckung eines Erwachsenen durch Jesus wird nur ein einziges Mal erzählt.
Als einmal seine Jünger Kinder aus seiner Nähe verjagen wollen, reagiert Jesus erbost und sagt ihnen: "Laßt die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes." Und zum Zeichen, daß die Liebe Gottes gerade auch den Kindern gilt, umarmt und segnet Jesus sie. Im Judentum seiner Zeit war es strittig, ob Kinder, die noch nicht in den Geboten unterrichtet sind, von Gott angesehen werden. Jesus steht auf der Seite derer, die auch solchen Kindern das Reich Gottes zusprechen. Das liegt ganz auf der Linie, wonach Jesus die besondere Vorliebe Gottes zu den Schwachen verkündet, die mit leeren Händen dastehen und auf Zuwendung angewiesen sind.
Vor diesem Hintergrund stellt Jesus Kinder auch als Vorbild vor. Als seine Jünger die Frage aufwerfen, wer der Größte im Himmelreich sei, ruft er ein Kind herbei, stellt es mitten unter sie und sagt: "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." Nicht, daß Kinder werden wie Erwachsene, sondern daß Erwachsene werden wie Kinder! Denn Kinder wissen, daß sie einen Vater haben und ihr Wohlergehen von dessen Güte und Fürsorge abhängt. So kann ins Himmelreich nur kommen, wer Gott darum bittet: "Vater im Himmel, dein Reich komme!" Ein Kind tritt nicht fordernd vor seinen Vater, so hat auch der Erwachsene keinen Anspruch gegenüber Gott. Aber er muß darauf vertrauen, daß Gott ihm das Himmelreich bringt, wie ein guter Vater seinen Kindern gibt, was sie brauchen und sich nicht selbst besorgen können. - Jesus bezeichnet deshalb die Menschen, die zu ihm gehören, auch als "diese Kleinen" und nimmt sie besonders in Schutz. Und die ihre Feinde lieben, nennt er "Kinder eures Vaters im Himmel".

Von wegen "Heidensteuer"!

Zur Änderung des Kirchensteuergesetzes im Landtag
von Pfr. Andreas Koch, Ev. Pressedienst


Unser Landtag hat die Änderung des Kirchensteuergesetzes beschlossen und einigen Kommentatoren ging anschließend die Feder durch: Eine "Heidensteuer" sei, was sich hinter dem neuen "Besonderen Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen" verberge, eine Abgabe, mittels derer Menschen zur Finanzierung einer Religionsgemeinschaft gezwungen würden, der sie nicht angehören. Ergo: Die evangelische Kirche sei ein schamloser Abzocker im Namen Gottes, gedeckt von willfährigen Politikern aller Couleur!
Die dicken Tintenstriche hätte mancher Meinungsmacher sich aber sparen können: Mafiose Methoden von Kirche und Politik sind nämlich nirgends zu entdecken. Wie denn auch! Schließlich geht es bei dem ins Zielfeld der Kritik geratenen Landtagsbeschluß nur darum, daß in Zukunft evangelische Kirche im Ländle nicht mehr zum Nulltarif zu haben ist. Kirchensteuerzahler und viele, die regelmäßig spenden und opfern, wissen das schon längst. Jetzt aber sollen auch diejenigen Kirchenmitglieder, die über kein eigenes Einkommen verfügen, deren nicht selten gut verdienender Ehepartner aber aus der Kirche ausgetreten oder Mitglied einer anderen Religionsgemeinschaft ist, ihren finanziellen Beitrag leisten. In der Praxis wird das dann so aussehen: Aus dem gemeinsam veranlagten Einkommen wird für den kirchensteuerpflichtigen evangelischen Ehepartner ein Kirchgeld erhoben. Dieses ist einkommensabhängig und liegt deutlich unter der gewohnten Kirchensteuer. Übrigens: In anderen Bundesländern gibt es diese Regelung schon seit langem.
Kompliziert, wie das Ganze klingt und wohl auch ist: Etwas Verwerfliches kann ich daran nicht entdecken. Oder würde sich jemand allen Ernstes zum Beispiel darüber aufregen wollen, daß aus dem gemeinsamen Einkommen eines Ehepaars die Mitgliedschaft in einem Sportverein bezahlt wird, auch wenn der Verdienende diesem Verein selbst nicht angehört? Umgekehrt vielmehr wird ein Schuh daraus: wenn nämlich eine in diesem Fall kirchliche Solidargemeinschaft auf Dauer Leistungen bezahlen müßte, die einige mit einem billigen "Vergelt's Gott!" dankend entgegennehmen. Nein, zum Gotteslohn braucht und kann sich Kirche nicht verschenken. Dies meint auch der Landtag von Baden-Württemberg in breiter Übereinstimmung. Weshalb sein Beschluß für manchen Geldbeutel zwar eine schlechte Nachricht ist, das Schmähwort von der Heidensteuer und Abzockerei aber wirklich nicht verdient!

Schwäbischer Gottesdienst: "D'r guate Hirte"

Ein etwas anderer Gottesdienst mit großer Resonanz
Dietrich Birkenhofer berichtet


Gottesdienst einmal anders, Gottesdienst einmal schwäbisch. Ende August wurde dies durch Pfarrer i.R. Hans Speidel aus Pfullingen bei uns in Gönningen möglich. Eigentlich war der Gottesdienst als "Gottesdenscht em Freia" konzipiert. Wegen der morgendlichen Frische und vorallem wegen dem nassen Rasen blieb man aber doch lieber im Gemeindehaussaal, der gut gefüllt war, nicht nur durch Gönninger sondern auch durch viele Auswärtige. Für alle anwesenden Schwaben (und vielleicht auch Nichtschwaben) war dieser "Gottesdenscht" eine gelungene Abwechslung, die man eigentlich wiederholen sollte.
Durch eine ähnliche Veranstaltung in der Schweiz ließ sich Pfarrer Speidel anregen. Er war so beeindruckt von einer "Bergpredigt am Fuße der Eigernordwand", daß er es selbst mit schwäbischen Predigten versuchte, allerdings für's Freie konzipiert, ohne Talar und kirchliche Gottesdienstordnung und auch nur von einer halben Stunde Dauer. Insofern bietet sich auch eine Wiederholung oder Fortsetzung als Gottesdienst im Grünen auf dem Roßberg an.
Pfarrer Speidel greift auf vorhandene Quellen zurück oder er überträgt neue Texte selbst. Dabei versucht er sich bei der Übertragung ins Schwäbische an den Text zu halten, bringt aber zusätzlich Erklärungen mit, um das Gesagte verständlicher zu machen. Auch Lieder, Psalmen und Gebete werden in schwäbischer Mundart gesungen oder gesprochen. Und diesmal alles unter dem Leitmotiv: "D'r guate Hirte".
Was anders ist, wie es anders klingt. ob man anders singt, soll hier nicht beschrieben werden. Sollten Sie neugierig geworden sein, dann machen Sie doch beim nächsten schwäbischen "Gottesdenscht" einfach selbst mit.
Übrigens: Eine kleine Kostprobe finden Sie "zuguterletzt" in diesem Gemeindebriefes. Dort steht schwäbisch verfaßt das "Vadd´r onser".

Ökologie in unserer Kirchengemeinde

Rückblick auf den KGR-Tag 97 - und was wir tun wollen


Über unsere diesjährige Klausur des Kirchengemeinderates berichtete das "Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg" vom 24.8.97:
"Um angewandten Umweltschutz ging es in einer Tagung des Kirchengemeinderates Gönningen. Das Gremium will künftig bei allen Entscheidungen auch ökologische Gesichtspunkte berücksichtigen. … Zunächst sollen Energiesparmaßnahmen in Kirche und Gemeindehaus getroffen werden. Der Kirchenbezirk wird gebeten, Mesnern und Hausmeistern Fortbildungskurse zur Energieeinsparung anzubieten. Ferner soll die Bildungsarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes mit ökologischen Initiativen und Gönninger Vereinen … vernetzt werden."
Mit Unterstützung durch Konrad Wagner, Gönningen, und einem Mitarbeiter des landeskirchlichen Umweltbeauftragten, Pfarrer Stefan Prager, ging es darum, wie die "Ökologischen Leitlinien" unserer Landeskirche bei uns umgesetzt werden könnten. Die Projektgruppe unter Leitung von Kirchengemeinderätin Ursel Nübel möchte außerdem für Jugendliche in nächster Zeit ein Umweltprojekt anbieten. Weitere Informationen erhalten Sie bei Ursel Nübel, Tel. 5270.

Carl Orffs "Weihnachtsgeschichte"

die Vorbereitungen laufen - Musikerinnen und Musiker gesucht


Auf gute Resonanz stieß unsere Einladung, die Aufführung von Carl Orffs "Weihnachtsgeschichte" vorzubereiten. Besonders herzlich laden wir aber auch jugendliche und erwachsene Musikerinnen und Musiker ein. Geübte Blockflötenspielerinnen und -spieler (Sopranino-, Sopran, Altblockflöten), Gitarrenspielerinnen und -spieler, Streicherinnen und Streicher wären eine Breicherung für unsere Aufführung. Auch Musikerinnen und Musiker mit Grundkenntnissen auf dem Klavier sind eingeladen. Die Instrumenten-Proben finden ab Mitte November statt; der Chor trifft sich schon jetzt montags von 17 bis 18 Uhr im Gemeindehaus. Die Aufführungen sind am 20. (Gönningen) und 21. (Bronnweiler) Dezember. Falls Sie sich näher informieren möchten oder die Noten einsehen wollen, rufen Sie einfach einmal an: Christine Dehlinger Prax, Tel. 60745. Weitere Ansprechpartnerinnen sind Sabine Frech (Tel. 80948), Ellen Maier (Tel. 2823) und Brigitte Zirngibl (Tel. 912 426).

Termine - Treffs - Kontakte


11.        ab 9     Pfarrhaus/   Abgabe der               
Oktober    Uhr/     Kirche       Erntedankgaben,          
           14.30                 Schmücken des Altars     
           Uhr                                            

11.        13 Uhr   Kirche       Trauung Bettina geb.     
Oktober                          Adis und Roland Lacotta  

12.        9.30     Kirche       Familiengottesdienst     
Oktober    Uhr                   zum                      
                                 Erntedankfest (mit       
                                 Taufe)                   

13.        20 Uhr   Gemeindehaus Projektgruppe Umwelt     
Oktober                                                   

16.        14.30    Gemeindehaus Kaffeestündle mit Pfr.   
Oktober    Uhr                   Motoo Nakamichi          
                                 (Kobe/Japan)             

17.        18 Uhr   M.-Alber-Hau Bezirkssynode,           
Oktober             s            öffentliche Tagung       
                    Reutlingen                            

18.        14 Uhr   Kirche       Trauung Tanja geb.       
Oktober                          Kemmler und Uwe Iwens    

19.        9.30     Kirche       Gottesdienst mit         
Oktober    Uhr                   "Vorstellung" der        
                                 Konfirmandinnen und      
                                 Konfirmanden             

23.        20 Uhr   Gemeindehaus Konfirmanden-Elternabend 
Oktober                                                   

24.        20 Uhr   Gemeindehaus Kirchengemeinderat-Sitzu 
Oktober                          ng                       

26.        9.30     Kirche       Gottesdienst zur         
Oktober    Uhr                   Ökumenischen Dekade der  
                                 "Solidarität der         
                                 Kirchen mit den Frauen"  

2.         9.30     Kirche       Gottesdienst             
November   Uhr                   (Reformationsfest)       

6.         14 Uhr   ab Rathaus   Jüngere Senioren:        
November                         Wanderung um Gönningen,  
                                 Abschluß im              
                                 Gemeindehaus             

9.         9.30     Kirche       Gottesdienst mit Taufen  
November   Uhr                   (Drittletzter Sonntag    
                                 im                       
                                 Kirchenjahr)             

9.                  Kirche       Konzert des              
November                         Gesangvereins und des    
                                 Posaunenchores           

15.                 Kirche       Konzert des              
November                         Vokalensembles Tübingen  

16.        9.30     Kirche       Gottesdienst             
November   Uhr                   (Vorletzter S.i.K.)      

19.        20 Uhr   Kirche       Gottesdienst zum Buß-    
November                         und                      
                                 Bettag (mit Abendmahl)   

20.        14.30    Gemeindehaus Kaffeestündle            
November   Uhr                                            

22.                 Gemeindehaus Konfirmandentag          
November                                                  

23.        9.30     Kirche       Gottesdienst             
November   Uhr                   (Totensonntag)           

23.        10.30    Friedhof     Örtlicher                
November   Uhr                   Volkstrauertag           

24.                 Feuerwehrhau Terminkonferenz der      
November            s            örtlichen Vereine und    
                                 Institutionen            

26.        20 Uhr                Konfirmandeneltern-Stamm 
November                         tisch                    

28.        20 Uhr   Gemeindehaus Kirchengemeinderat-Sitzu 
November                         ng (Haushaltsberatung)   

30.        9.30     Kirche       Gottesdienst zum Ersten  
November   Uhr                   Advent                   

30.        14 Uhr   Gemeindehaus Großer Altennachmittag   
November                                                  

4.         14 Uhr   ab Rathaus   Jüngere Senioren:        
Dezember                         Wanderung,               
                                 Adventsnachmittag        

6.         14 Uhr   ab           Adventssingen der        
Dezember            Gemeindehaus Konfirmandinnen und      
                                 Konfirmanden             

7.         9.30     Kirche       Gottesdienst zum         
Dezember   Uhr                   Zweiten Advent           

14.        9.30     Kirche       Gottesdienst zum         
Dezember   Uhr                   Dritten Advent (mit      
                                 Taufen)                  

18.        14.30    Gemeindehaus Kaffeestündle im Advent  
Dezember   Uhr                                            

20.        17.30    Kirche       Aufführung von Orffs     
Dezember   Uhr                   "Weihnachtsgeschichte"   
                                 durch Gönninger und      
                                 Bronnweiler Kinder,      
                                 Jugendliche, Erwachsene  

21.        9.30     Kirche       Gottesdienst zum         
Dezember   Uhr                   Vierten Advent           

21.        17.30    Ev. Kirche   2. Aufführung            
Dezember   Uhr      Bronnweiler  Weihnachtsgeschichte     
                                 (s. 20.12.)              

Vadd'r onser


Lieaber Vadd'r em Hemmel!
Guck, daß d'nedd en Dreck zoga wurscht.
Laß doch dei Keenigreich a'fanga,
daß d'Leit deent, was du witt.
Gib as, was m'r zom Leba brauchet
ond lesch älles, was m'r vor dir schuldig send.
Au mir wellet deene verzeiha, dia ons was a-do hend.
Schtell as edd so arg uff d'Prob
ond halt as da Deifl vom Leib.
Dir g'hairt älles, du kascht älles,
vo dir kommt älles
ond uff di lauft älles no ällaweil naus.
So isch! Amen.