Gemeindebrief 4/1996

Advent


Symbol: Gönninger Kirche



In dieser Ausgabe:

Ein Wort zu Beginn ...
Die Holzscheibe auf meinem Schreibtisch ...
Einblick - die Jüngeren Senioren ...
Rückblick - Pfarrerin Claudia Lempp ...
Bazar-Erlös zugunsten von Straßenkindern in La Paz ...
Gottesdienste in der Weihnachtszeit ...
Neu! Mitarbeiter/innen-Konvent ...
Preisrätsel zum neuen Gesangbuch ...
Das neue Gesangbuch und unsere Gottesdienste ...




Editorial

Nun haben wir's: Seit einigen Tagen singen und beten wir aus dem neuen Evangelischen Gesangbuch. Wir hoffen, daß es für Sie und die ganze Kirchengemeinde einen Gewinn darstellt - vielleicht auch im ganz wörtlichen Sinn, wenn Sie sich bei unserem Preisrätsel auf Seite 14 beteiligen!

Chancen und Herausforderungen des "EG" skizziert Martin Zirngibl (Seite 15) - man spürt bei ihm die Begeisterung für dieses "Lebens-Buch"!

Unsere Rubriken "Einblick" und "Rückblick" finden ihre Fortsetzung mit einem Bericht über die "Jüngeren Senioren" und über Pfarrerin Lempp.

Außerdem wird Ihnen dieser Gemeindebrief gute Dienste bei der Terminplanung für die Weihnachtszeit und das neue Jahr leisten: Auf den Seiten 7 bis 10 ist sicherlich auch etwas für Sie dabei!

Mit herzlichen GrüßenIhr

Alexander Behrend, Pfarrer

Die Holzscheibe auf meinem Schreibtisch … oder: Von heimeliger Stimmung und Krippe und Kreuz

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit einigen Tagen ziert eine einfache Holzscheibe meinen Schreibtisch. Das Stück einer etwa sieben Meter hohen Tanne, das mir eine freundliche Kollegin an der Roßbergschule überließ.Dieses Holzstück wird mich in dieser Adventszeit begleiten: Es erinnert mich an jene alte Legende, nach der auf verschlungenen Wegen aus dem Holz der Krippe in Bethlehems Stall ein Teil des Kreuzes gezimmert wurde.

Das, was wir zu Weihnachten feiern, hat nur sehr bedingt etwas mit jener heimeligen Stimmung zu tun, die wir uns in diesen Tagen gönnen, die wir so oft suchen und oft genug nicht finden.

Das, was wir feiern, hat etwas mit dem Kreuz zu tun, so wie eben die Sache mit Jesus aus Nazareth nur von seinem Kreuz her zu verstehen ist. Wie bei einer Holzscheibe liegt hier das Zentrum, um das sich alles weitere bildet. Wie bei einer Holzscheibe vereinen sich da herum die mageren und fetten Jahre, die guten und schlechten Zeiten zu einem Ganzen. Denn wie im Leben, so gibt es keinen "perfekten" Baum, immer ist da Unregelmäßiges, das erst von jener Mitte her seine Ordnung, seinen Sinn erhält.

Wie wir Jesus Christus erst vom Ende seines Lebens her verstehen können, so fügt sich auch unser aller Leben erst aus einer anderen Perspektive zu einem Ganzen - aus der Perspektive Gottes, der jenen Jesus aus Nazareth weder in der Krippe, noch am Kreuz zugrunde gehen ließ, sondern ihm neues Leben schenkte.

Wenn Weihnachten für Karfreitag und Ostern durchscheinend wird, dann bekommen wir etwas von jener Freude des Ostermorgens ab - und dann gelingt uns vielleicht sogar eine vertiefte heimelige Stimmung, die ihren festen Grund hat. - Meine Holzscheibe wird mich daran erinnern …

Ihr

Pfr. Alexander Behrend

p. s.: Ein Tip zum Weiterlesen: Eines der eindrucksvollsten Weihnachtslieder im neuen Gesangbuch ist vielleicht das bislang noch recht unbekannte Lied Jochen Kleppers "Du Kind zu dieser heilgen Zeit (Nr. 50) - es wird kaum eine große Karriere machen, aber es lohnt sich, diesen Versen nachzugehen …

"Einblick" - Die Jüngeren Senioren vorgestellt von Adolf Simschek

Im September 1989 entdeckte der damalige Pfarrer, Heinz Gerstlauer eine Lücke im Gemeindeleben: Ihm fehlte "ebbes" für das "Mittelalter". Zwar gab es den Altennachmittag (Kaffeestündle) und eine Jugendgruppe, aber für die noch rüstigen, junggebliebenen 60- bis 70jährigen "Alten" wurde nichts Besonderes angeboten. Also wurden die "Jüngeren Senioren" ins Leben gerufen. Inzwischen sind die meisten der damaligen "Jüngeren" weit über 70 Jahre alt.

Am 5. Oktober 1989 trafen sich 55 wanderfreudige, jüngere Seniorinnen und Senioren am Gönninger Rathaus zur ersten Wanderung über das Jungscharplätzchen zu den Gönninger Seen, zurück über's Rostel und Braike ins Gemeindehaus.

Sinn und Zweck dieser Jüngeren-Senioren-Gruppe ist, schwäbisch gesagt, "ebbes" für Leib, Geist und Seele zu tun. An jedem ersten Donnerstag eines Monats wandern wir um Gönningen herum oder fahren mit dem Bus zu den schönsten Plätzen unserer näheren Umgebung. Jedesmal ist eine kleine, bequeme Wanderung von 1 bis 1½ Stunden vorgesehen. Danach folgt der gemütliche Teil mit Vespern, Schwätzen, Singen, Lachen und lustigen Vorträgen aus der Runde der Jüngeren Senioren. Gegen 20 Uhr kehren wir wieder nach Gönningen zurück. Die zufriedenen Gesichter zeigen dann, daß es wieder ein schöner und fröhlicher Nachmittag war, und man freut sich bereits auf den nächsten ersten Donnerstag.

Einmal im Jahr gestalten wir eine Gemeindefreizeit zusammen mit dem Pfarrer, zu der alle Gemeindeglieder eingeladen sind. Wer schon einmal dabei war, behält diese Tage in bester Erinnerung. Wir verbrachten bisher Freizeiten in Spinges, Südtirol ('90), im Bayrischen Wald ('91), in Sils Maria, Schweiz ('92), im österreichischen Kärnten ('93), in der Toscana ('94), in der Fränkischen Schweiz ('95) und dieses Jahr im Südtiroler Sterzing. Für 1997 planen wir übrigens eine Freizeit am Wörther See in Kärnten: vom 29. September bis 6. Oktober - Sie kommen doch mit?

"Rückblick" - Was macht eigentlich Pfarrerin Claudia Lempp? Dietrich Birkenhofer fragt nach.

Frau Lempp, nach Ihren Jahren als Pfarrfrau in Gönningen und als Pfarrerin in Reudern sind Sie nun Klinikpfarrerin in Tübingen. Welche Aufgaben haben Sie zu erfüllen?

Ich bin mit einem halben Dienstauftrag an der Frauenklinik. Ich besuche Frauen auf den gynäkologischen und geburtshilflichen Stationen. Ich habe 14tägig Gottesdienst in unserem schönen Andachtsraum. Manchmal kommen nur eine oder zwei Frauen. Letzten Sonntag waren es aber sechzehn. Zum Singen und Beten und Abendmahl feiern reicht es aber allemal. In der Klinik erlebe ich Gottesdienste von tiefer Intensität. Ich staune oft, wie die Worte hier tragen.

Sie haben eine oft schnell wechselnde Patientenschar zu betreuen. Wie läßt sich da ein vertrauensvoller, persönlicher Bezug aufbauen?

Manchmal spürt man ganz schnell: "Mit der kann ich reden" - oder eben nicht. Manchmal ist es nicht so klar. Klinikseelsorgerinnen werden ja besonders ausgebildet, um gut zu verstehen, was sich da alles abspielen kann und wie wir eine offene Gesprächssituation herstellen können.

Wie spenden Sie Schwerkranken Trost?

Seelsorgegespräche zu führen kann man lernen. Trösten kann man so nicht lernen. Trösten gehört zu den Wundern, die man nicht machen kann und die doch immer wieder geschehen. Ich spende also den Trost nicht, eher lassen sich die Kranke oder Sterbende mit der Seelsorgerin zusammen unter das Dach der Gnade Gottes nehmen. Und manchmal muß ich auch ohne Trost bei einer Leidenden bleiben und mit-aushalten, was sie aushalten muß.

Woran erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an Gönningen zurückdenken?

An den "Freien Hof" an der Samenhandelstraße (wo wir wohnten), den Blick von dort auf die Kirche und den Stöffelberg, an die Kinderkirche, den Miniclub, den Kirchenchor und das Kaffeestündle, also an die Menschen, die mit mir und uns gelebt haben.

Ihren Mann, der Pfarrer in Gönningen war, befragen wir später mal. Aber, wie geht es Ihren beiden inzwischen erwachsenen Söhnen?

Severin ist im Augenblick in Indien, nachdem er im Sommer Abitur gemacht hat. Thomas macht nächstes Jahr Abitur.

"Arco Iris" - ein Regenbogen verbindet uns! Bazar-Erlös zugunsten von Straßenkindern in La Paz (Bolivien)

Erschreckende Zahlen veröffentlichte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf im November: 250 Millionen Kinder im Alter von fünf bis vierzehn Jahren müssen in Entwicklungsländern arbeiten, davon die Hälfte ganztags.

Wir hörten ganz speziell über Kinder aus Bolivien und möchten nun dort helfen. In der Hauptstadt La Paz leben etwa 4000 Kinder auf der Straße. Ursache sind unvorstellbare Armut, oft untragbare häusliche Verhältnisse und Kindesmißhandlungen. Viele Eltern dieser verwahrlosten Kinder und Jugendlichen sind Strafgefangene. So haben diese Kinder keine feste Bleibe, leben von der Arbeit auf der Straße: als Schuhputzer, Zeitungsverkäufer, fliegende Händler, oder die Kinder leben vom Betteln und Stehlen. Nachts schlafen sie unter Brücken, in Hauseingängen, in selbstgebauten Kisten- oder Kartonhäusern oder auf dem Friedhof in Grabnischen.

"Arco Iris" (Regenbogen) ist eine Stiftung zugunsten dieser Straßenkinder. Padre José (ein katholischer Pfarrer aus Rottweil) sorgt mit seinen Helfern für diese Straßenkinder. Im Entstehen ist ein Kinderdorf.

Zur Zeit verfügt Arco Iris über ein Haus für 30 Mädchen im Alter von 6 bis 18 Jahren - die Mütter dieser Kinder sind im Gefängnis - und ein Heim (in einem desolaten Zustand), in dem im Augenblick 74 Mädchen untergebracht sind - meist Waisenkinder. Geplant sind weitere Unterkünfte und Ausbildungsstätten für 90 Straßenkinder, ein Haus zum Übernachten für tagsüber arbeitende Jungen und ein Projekt "Vivienda", in das sich junge Familien einmieten können.

Durch die Mitfinanzierung mehrerer Speisezentren in La Paz ermöglicht Arco Iris für etwa hundert Kinder wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag.

Wir möchten - zusammen mit der Altenburger Kirchengemeinde - mit einem Teil des Gemeindebazar-Erlöses vom 30. November den Straßenkindern von La Paz helfen.

Sich-Besinnen und Weitergehen - Gottesdienst-Angebote zur Weihnachtszeit vom 8. Dezember 96 bis 12. Januar 97

Alle Gottesdienste finden in der Kirche statt - ab 12. Januar dann wieder aus ökologischen Gründen im Gemeindehaus - dort wird dann auch wieder eine Kinderbetreuung parallel zum Gottesdienst angeboten!

Während der Adventszeit findet ein Eine-Welt-Verkauf statt (Ansprechpartnerin: Ursel Nübel, Tel. 5270). Wie der Erlös dieses Verkaufes kommen Ihre Opfer am 24. und 25. Dezember der Aktion "Brot für die Welt" zugute. Sie können dafür natürlich auch die beiliegenden Spenden-Tütchen oder die Überweisungsträger verwenden!

Sonntag, 08.12.96

9.30 Uhr

Gottesdienst zum 2. Advent (Taufen, Beteiligung des Gesangvereins)

Sonntag, 15.12.96

9.30 Uhr

Gottesdienst zum 3. Advent (Pfr. i. R. Speidel)

Sonntag, 22.12.96

9.30 Uhr

Familiengottesdienst mit Weihnachtsspiel der Jungschar

Dienstag, 24.12.96

17 Uhr

Gottesdienst zu Heiligabend (mit Posaunen- und Kirchenchor)

Mittwoch, 25.12.96

9.30 Uhr

Gottesdienst zum Weichnachtsfeiertag mit Abendmahl (Einzelkelche/Saft; Kirchenchor)

Donnerstag, 26.12.96

9.30 Uhr

Gottesdienst zum 2. Weihnachtsfeiertag: Gemeinde singt - Neues und Altbewährtes im neuen "EG"

Sonntag, 29.12.96

9.30 Uhr

Gottesdienst (1. Sonntag nach dem Christfest; Pfr. W. Weber)

Dienstag, 31.12.96

18 Uhr

Gottesdienst am Altjahrsabend

Mittwoch, 01.01.97

9.30 Uhr

Gottesdienst (Neujahr/Namengebung des Herrn)

Sonntag, 05.01.97

9.30 Uhr

Gottesdienst (2. Sonntag nach dem Christfest)

Montag, 06.01.97

9.30 Uhr

Gottesdienst am Erscheinungsfest (Pfr. I. Sperl)

Sonntag, 12.01.97

9.30 Uhr

Gottesdienst (1. Sonntag nach dem Erscheinungsfest) im Gemeindehaus

Wie geht's? - Wie geht's weiter? -Mitarbeiter/innen-Konventunserer Kirchengemeinde. Eine Einladung des Kirchengemeinderates

Am Donnerstag, den 20. Februar, laden wir Sie von 20 bis 22 Uhr herzlich ins Gemeindehaus zum ersten Konvent für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Im Kirchengemeinderat haben wir beschlossen, daß wir mehr Gemeindegliedern Beteiligungmöglichkeiten an der Planung der Gemeindearbeit geben möchten. Wollen wir uns am Projekt "neu anfangen" beteiligen, wie kann es mit der Jugendarbeit weitergehen …? Solche Fragen zu behandeln und vor allem, aus den einzelnen Kreisen und Gruppen mehr zu erfahren, dazu sollen diese Abende dienen. Und dann tut es uns hoffentlich einfach gut zu sehen, daß wir gemeinsam an der Gemeindearbeit Teil haben! Beteiligen Sie sich an diesem Vorhaben und merken Sie sich den Termin bitte vor!

Das neue Evangelische Gesangbuch - ein echter "Gewinn" für Sie! Nachschlagewerk für Glaube, Kirche, Leben

Das neue Evangelische Gesangbuch bietet nicht nur einen reichen Liederschatz. Es ist auch ein Kompendium zu verschiedenen Fragen gottesdienstlichen und kirchlichen Lebens: Welches Lied gehört zum 3. Advent (S. 1517)? Wann wurde doch gleich Jochen Klepper geboren (S. 1588)? Oder wie kann ich eine Urnenbeisetzung gestalten (S. 1272/73; Sie dürfen natürlich auch den Pfarrer bitten …)? Weihnachtslieder finde ich vorn im Stammteil, der für alle Landeskirchen gilt (Nr. 23-57) - aber auch hinten im württembergischen Teil Nr. 538-540.

Sie haben Lust, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen - und dabei auch noch zu gewinnen? Zwei Rätsel, die anhand des EG zu lösen sind, habe ich mir für Sie ausgedacht. Lassen Sie uns Ihre Lösungszahl bis 27. Dezember 96 zukommen (Und wie heißt es dann immer: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.). Und etwas zu gewinnen gibt es natürlich auch: eine Leder-Hülle für Ihr EG nach Ihren Größen- und Farbwünschen; je eine CD mit Orgelmusik von Rainer Maria Rückschloß, aufgenommen in unserer Kirche (2. bis 4. Preis; sofort nach Erscheinen im Frühjahr). Und hier die Fragen:

Der Melodie-Dichter des Liedes auf den Aschermittwoch hat ein Weihnachtslied gedichtet - wieviele Strophen hat es?

Im EG gibt es ein Zitat von Novalis (auch für die Zitate gibt's übrigens ein Verzeichnis). Auf der Doppelseite dieses Zitats wird ein Melodiedichter erwähnt, der ein Lied im Regionalteil vertonte. Wann starb der Textdichter der ersten Strophe dieses Liedes?

Bitte lassen Sie uns die Summe der Lösungszahlen zukommen! Viel Spaß bei Ihrer "Schnitzeljagd" durchs EG!

Und hier zum Nachvollziehen die vorzügliche Lösung von Sven Bauer, der neben Martin Zirngibl (und außer Konkurrenz Pfr. Matthias Wagner, Orschel-Hagen, per E-Mail) zu den beiden einzigen Einsendern gehörte da beide die richtige Lösung hatten, bekommen beide eine Gesangbuch-Hülle geschenkt. Herzlichen Glückwunsch!


zu 1.)
Das Lied auf "Aschermittwoch" ist: "Lasset uns mit Jesus ziehen", Nr. 384 (s. EG S. 1521).
Die Melodie von Nr. 384 ist dieselbe wie die des Liedes 325 (S. 740).
Die Melodie des Liedes 325 stammt aus der Feder von Johann Schop (S. 642).
Schop hat vier Lieder gedichtet, wovon sich nur Nr. 33 im Abschnitt "Weihnachten" findet (S. 1613).
Das Lied 33 hat 3 Strophen (S. 107).


zu 2.)
Das Zitat von Novalis (Friedrich von Hardenberg) steht auf S. 658 (s. S. 1651).
Auf der Doppelseite 658/659 wird nur ein Melodie-Dichter erwähnt: Paul Ernst Ruppel.
Ruppel ist an 12 Liedern und einem Text im EG beteiligt; im Regionalteil (ab Nr. 536) steht aber nur 549 (S. 1610).
Der Text der ersten Strophe von 549 hat Friedrich von Spee gedichtet. (S. 1011).
Spee starb 1635.

Die richtige Lösung heißt also 3+1635= 1638.

Und hier können Sie uns Ihre Lösung gleich mailen:



Das neue Gesangbuch und unsere Gottesdienste - Chance und Herausforderung. Von seinen Erfahrungen und Hoffnungen erzählt Martin Zirngibl

In einer großen Kampagne wird das neue Evangelische Gesangbuch beworben: auf Plakatflächen, im GEA und anderen Zeitungen. Aber schon dieser Titel "Gesangbuch" ist eigentlich falsch. Gewiß, mehr als zwei Drittel der 1712 Seiten sind mit Liedern gefüllt. Aber gerade das restliche Drittel lohnt mehr als einen flüchtigen Blick.

Als erstes fällt die Gestaltung ins Auge. Die Rubriken sind farblich gegliedert und mit Graphiken aufgelockert. Im gelben ersten Teil sind zwischen den Liedern (683, davon 80% aus dem EKG) viele Texte abgedruckt, die zum Nachdenken anregen. Der Gottesdienstteil (violett) ist sehr reichhaltig und bietet viele Anregungen zur Gestaltung unserer Gottesdienste. Der grüne Textteil enthält Gebete, Katechismen und Glaubensbekenntnisse. Am Schluß enthalten die grauen Seiten neben einer Fülle an Wissenswertem über Kirchenjahr und Liederkunde Biographien der Autoren und verschiedene Verzeichnisse, die Ihnen den Zugang zum EG erleichtern.

Ich denke, daß sich der jahrelange mühevolle Auswahlprozess gelohnt hat. Es ist ein wirkliches Schatzkästlein entstanden, das uns den ganzen Tag über begleiten kann: Gebet am Morgen (Nr. 799), Gebet beim Verlassen des Hauses speziell für Kinder (791), Gebete zu Arbeit und Beruf (822), Kanon zum Mittag (465), in Not und Krankheit (827), am Abend (803). Durch die neuen liturgischen Formen können unsere Gottesdienste vielfältiger gestaltet werden, hin zu "einem gesprochenen Wechselspiel in Rufen und Antworten, Akklamationen und Reaktionen", wie es Martin Rößler umschrieb. Ich meine damit keine Neuerungen um der Neuerungen willen, sondern damit die Gemeinde viel aktiver am Gottesdienst teilnehmen kann, wie dies in anderen Landeskirchen schon seit Jahrhunderten üblich ist und wie es auch Martin Luther für sehr wichtig hielt.

Ich könnte noch einiges berichten von meinen Schatzfunden im neuen Gesangbuch (z. B. Seite 656 und 817 unten). Aber viel wichtiger ist für mich, daß Sie selbst sich auf die Suche im neuen Hausbuch machen. Vielleicht finden Sie auch die eine oder andere Antwort in alten und neuen Liedern, in Texten und Bildern. Ich wünsche Ihnen eine ertragreiche Schatzsuche und einen segensreichen Gebrauch!